Zum Hauptinhalt springen

Keine Live-Hools

Die Uefa zensierte die Hooliganszene. Das ZDF hat dagegen protestiert – beim SRF ist eine Beschwerde «kein Thema».

Menschen flüchten vor Randalierern im Stadion von Marseille: Die Uefa verzichtet bewusst auf solche Bilder während des Spiels.
Menschen flüchten vor Randalierern im Stadion von Marseille: Die Uefa verzichtet bewusst auf solche Bilder während des Spiels.
Keystone/Thanassis Stavrakis

Russische Hooligans machen Jagd auf englische Fans. Die Bilder dieser wüsten und brutalen Szenen gehen momentan um die Welt. Nur die Uefa hat bewusst darauf verzichtet: Während der Liveübertragung hat die Uefa im Fernsehen wenig von den Krawallen neben dem Spielfeld gezeigt.

Für diese Zensur hagelt es nun Kritik vom deutschen Fernsehen: «Angesichts der brisanten gesellschaftspolitischen Lage» sei es notwendig, alle relevanten Szenen im Weltsignal der Uefa zu erhalten, meint ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz gegenüber der «Berliner Morgenpost». Dazu würden nicht nur die Spielszenen gehören, sondern auch alle Szenen, die abseits des Spielfelds passieren. Auch die ARD protestiert und hat die Uefa nun aufgefordert, ihnen solche Szenen mindestens kurzfristig zur Verfügung zu stellen.

Die SRG ist zufrieden mit der Leistung der Uefa

Anderer Meinung ist die SRG: «Eine Beschwerde ist für die SRG bis jetzt noch kein Thema», meint Daniel Steiner, Mediensprecher der SRG. Höchste Priorität habe die Glaubwürdigkeit der Sendungen und Programme sowie die Faszination des Liveaspektes in der Sportberichterstattung. Die zwei Aspekte konnten bislang mit den Bildern der Uefa gewährleistet werden.

Während das deutsche Fernsehen bei den Länderspielen ihrer Nationalmannschaft eigene Kameras einsetzt, um der Zensur entgegenzuwirken, übernimmt die SRG für alle Livespiele das von der Uefa gesendete Material. Das schränke die Berichterstattung über Ereignisse neben dem Spielfeld aber keineswegs ein: «Die Kommentatoren haben die Möglichkeit, relevante Geschehnisse im Stadion, die zum Beispiel zu einem Spielunterbruch führen, aber nicht im TV gezeigt werden, verbal zu schildern. Die SRG-Mitarbeitenden bei den SRG-Sendern haben die Pflicht, solche Geschehnisse in einem angemessenen Rahmen zu beschreiben.» Allerdings solle Chaoten und politischen Protestierenden keine Plattform geboten werden. Deshalb hat man wohl auch nicht reagiert, als nach dem Spiel in Marseille während des Interviews mit dem englischen Torschützen Eric Dier die Meute immer lauter wurde und Sicherheitskräfte hinter dem Spieler durchmarschierten.

Auch der Uefa geht es offiziell darum, Randalierern keine Bühne zu bieten. Ob dieses Argument eine Zensur rechtfertigt, ist fraglich. Denn auch Bilder von harmlosen Fans, die es jubelnd über die Absperrungen auf den Rasen geschafft haben, werden nicht gezeigt. Vielleicht will die europäische Fussball-Union einfach von Sicherheitslücken in den französischen Stadien ablenken, die zusätzlich ein schlechtes Licht auf sie werfen würden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch