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Ich bin, also hasse ich?

Eine von Steven Spielberg produzierte Doku-Serie geht dem menschlichen Hass auf den Grund und beginnt – bei den Affen. Das ist erschreckend aufschlussreich.

Liebe und Hass – wir Menschen sind zu beidem fähig. Doch wann gewinnt das zerstörerische Gefühl die Oberhand? Das versucht die sechsteilige Doku-Serie «Warum wir hassen» zu ergründen.
Liebe und Hass – wir Menschen sind zu beidem fähig. Doch wann gewinnt das zerstörerische Gefühl die Oberhand? Das versucht die sechsteilige Doku-Serie «Warum wir hassen» zu ergründen.
ZDF
Hass ist ständig im Fokus von Kameras: Ein Anhänger der rechtsradikalen Alt-Right-Bewegung zeigt einem farbigen Gegendemonstranten den Mittelfinger.
Hass ist ständig im Fokus von Kameras: Ein Anhänger der rechtsradikalen Alt-Right-Bewegung zeigt einem farbigen Gegendemonstranten den Mittelfinger.
ZDF
Die Doku-Reihe «Warum wir hassen» wurde von Star-Regisseur Steven Spielberg produziert.
Die Doku-Reihe «Warum wir hassen» wurde von Star-Regisseur Steven Spielberg produziert.
ZDF
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Seit die Welt ständig im Fokus von Überwachungskameras und Smartphones ist, bekommen wir den grassierenden Hass hautnah mit. Wir fahren auf der Autobahn, während vor uns ein wütender Motorradfahrer einen Wagen von der Spur abdrängt. Wir stehen nur ein paar Schritte entfernt von Polizisten, die eine verschleierte Frau angreifen, von Randalierenden, die auf Wehrlose eindreschen und noch härter zuschlagen, wenn diese auf dem Boden liegen. Neben uns sagt eine Frau «Wir hassen euch!» zu einem Ausländer, Demonstrierende halten Schilder gegen Homosexuelle, Muslime oder Juden hoch. Wir sitzen mit einem jungen Mann im Auto, der gleich 17 Menschen an seiner Schule erschiessen wird.

Auch Schimpansen hassen

Szenen wie diese, alle aufgenommen mit Handys, Dashcams oder Überwachungskameras, hält uns die neue Dokuserie «Warum wir hassen» von Produzent Steven Spielberg vor Augen, die aktuell bei ZDFinfo ausgestrahlt wird. Dieser unmittelbare Hass, diese geballte Ladung Aggressivität, die immer mehr aus der Kontrolle zu geraten scheint, lässt einen erschaudern, und man ist ganz froh um die nüchterne, wissenschaftliche Aufarbeitung der Frage nach dem Warum und dem Ursprung von Hass in Teil 1 der sechsteiligen Serie.

Steven Spielberg und Alex Gibney sprechen über die Doku-Serie. Quelle: ZDF.

Und am Anfang war – der Affe. Beziehungsweise Schimpansen und Bonobos, die auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden sind und deren Erbgut sich zu 99 Prozent mit unserem deckt. Ob sie auch aggressiv sind und hassen, so wie wir? Das versuchte uns ein Evolutions-Anthropologe zu erklären, und es war höchst aufschlussreich. So sind Schimpansen Männchen-orientiert und Bonobo-Affen Weibchen-orientiert, beide leben sehr sozial, so wie wir Menschen.

Warum sind Schimpansen aggressiv, Bonobo-Affen jedoch nicht? Foto: ZDF
Warum sind Schimpansen aggressiv, Bonobo-Affen jedoch nicht? Foto: ZDF

Aber Erstere können sich extrem aggressiv verhalten – sie töten etwa Konkurrenten, entreissen fremden Schimpansenmüttern in Rudeln ihre Babys und fressen diese bei lebendigem Leib auf. Bonobo-Affen hingegen verhalten sich friedlich. Die Erklärung dafür ist so einleuchtend wie erschreckend. Genau wie die Parallelen mit uns, verdeutlicht durch eine Szene mit einer Gruppe aggressiver Schimpansen, auf die eine Szene mit tobenden Menschen folgte. Später sahen wir noch einen Laboraffen, der zu rebellieren begann, weil er sich unfair behandelt fühlte.

Teil 1 begnügte sich aber nicht nur mit Affen. Er zeigte auch, dass schon drei Monate alte Babys einen Sinn für Moral haben, dass jugendliche Amokläufer oft ein entscheidendes Manko haben, aber dasselbe Bedürfnis wie wir alle. Es wurde erklärt, warum ausgerechnet beliebte Personen besonders häufig mobben, welchen Einfluss die genetische Veranlagung hat und welchen das Umfeld, in dem wir aufwachsen.

Der Beweis im Video

Zwischen die Interview-Passagen mit den Forschenden wurden immer wieder originale Szenen aus Handy- oder Überwachungskameras eingestreut. Besonders eindrucksvoll war jene, die den Schul-Attentäter Nikolas Cruz kurz nach der Festnahme im Gefängnis zeigt – zusammen mit seinem älteren Bruder, der sich bei ihm, der soeben 17 Menschen erschossen hat, dafür entschuldigt, dass er ihn immer fertiggemacht und ausgegrenzt habe.

Der informative Teil 1 macht definitiv Lust, sich auch die weiteren Teile der Doku-Serie anzuschauen. Auch, weil er sich um eine nüchterne Betrachtung dieser heftigen Emotion bemüht und aufzuzeigen versucht, dass es einen Ausweg gibt aus der Ohnmacht und der Gewaltspirale, die jeden jederzeit erfassen kann. «Man kann Hass wieder verlernen», erklärt der Schlusssatz. Wie, erklärt «Warum wir hassen» hoffentlich in einem der fünf weiteren Teile der Doku-Serie.

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