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High Noon im «Club»

Machen Waffen unser Land sicherer? Braucht es strengere Waffengesetze? Diesen Fragen ging die gestrige Diskussionsrunde im SRF nach.

Am Schluss ist Gaby Niggli dann tatsächlich Besitzerin einer Pistole. Die Protagonistin in Hanspeter Bänis «Dok»-Film «Schütze sich, wer kann» fühlte sich einfach nicht mehr sicher in der Schweiz: der Vierfachmord in ihrem Wohnort Rupperswil, die offenen Grenzen, eine Waffe musste her. Bänis Film ging letzte Woche Schützenwesen und Waffenbesitz in der Schweiz nach. Gut dreieinhalb Millionen Pistolen und Gewehre gibt es hierzulande in den Haushalten. Und es werden mehr: Fast alle Kantone vermeldeten im letzten Jahr 50 Prozent mehr Verkäufe. Dabei wird unser Land gemäss Kriminalstatistiken eher sicherer.

Hier versuchte nun der gestrige «Club» anzuknüpfen. Die EU will die Waffenrichtlinien verschärfen, die Schweiz als Schengen-Land müsste nachziehen. So standen die Fragen im Raum: Braucht es denn überhaupt Restriktionen rund um den Waffenbesitz? Und erhöhen Waffen unsere Sicherheit?

Wir kennen sie, die Diskussionen über die Regulierung von Schusswaffen. Vergangene Debatten zu strengeren Registern und zur Aufbewahrung von Armeewaffen haben gezeigt: Das Thema gibt es in der Schweiz nicht ohne Emotionen. Sicherheitseinwände treffen früher oder später immer auf Tradition und Legitimierung über die mythische Schweizer Wehrhaftigkeit.

«Die Waffe gehört zu unserer Freiheit»

So auch gestern. SP-Nationalrätin Chantal Galladé verwies auf die Gefahren von Schusswaffen in Haushalten, betonte die Verbindung von Suizidraten und Verfügbarkeit von Pistolen und Gewehren. Werner Salzmann, SVP-Nationalrat und Präsident der Berner Schützen, verteidigte das Schützenwesen: «Zusätzliche Auflagen braucht es in der Schweiz nicht.» Problematisch seien auch nicht die Waffen der Sportschützen, sondern jene aus dem Darknet. Und überhaupt: «Es gehört zu unserer Tradition, zu unserer Freiheit, dass wir Waffen haben dürfen.»

Dazwischen gab es noch Nuancen, etwa die Voten des Psychiaters Josef Sachs. Der wandte ein, dass eine gute Ausbildung im Schützenverein wohl Schiessunfälle verhindern könne, nicht aber den potenziellen Waffenmissbrauch durch eine impulsive oder labile Person. Alles in allem blieb die Diskussion jedoch lustlos. Die Runde verhedderte sich in den Formalitäten zur Aufbewahrung der Armeewaffe, blieb an den Anekdoten des ehemaligen Kriminalkommissars Markus Melzl hängen und sinnierte lange über das Spannungsfeld zwischen subjektiven Ängsten und Statistik.

Zwei Finger zur Pistole geformt

Wenigstens in einem Punkt war sich die Runde dann doch einig: Das Gros jener Bürger, die sich für ihre Sicherheit zu Hause bewaffnen, unterschätzt wohl den Einsatz einer Schusswaffe. Was macht das Adrenalin mit mir? Lässt eine gezückte Pistole eine Situation nicht gar eskalieren? Dazu gab es einen Einspieler aus Hanspeter Bänis «Dok». Gaby Niggli zeigte darin dem Filmemacher, wie sie sich künftig bei einem nächtlichen Läuten an der Tür verhalten würde. Die rechte Hand hinter dem Rücken, zwei Finger zur Pistole geformt, näherte sie sich der Haustür, hinter der die vermeintliche Bedrohung lauerte. Er würde halt einfach die Tür nicht öffnen, kommentierte Werner Salzmann das Schauspiel lakonisch. Sichtlich unwohl war es bei dieser Szene hingegen dem ehemaligen Polizisten Markus Melzl geworden: «Diese Frau kann sich selber gefährden. Man steht sich nicht einfach gegenüber und sieht, wer schneller blinzelt – das ist nicht wie High Noon.»

Video – Für eine SRF-Doku sprachen Menschen, die gern Waffen haben oder sich mit ihnen schützen wollen, mit Filmemacher Hanspeter Bäni.

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