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Galoppierender Irrsinn

Nach Hitzeprognosen und Klima-Angst vermisst man beim SRF auf einmal die hohen Temperaturen. Was gilt denn jetzt?

Meteorologe Thomas Bucheli hofft trotz allgemeiner Klima-Angst auf heisse Tage im September.
Meteorologe Thomas Bucheli hofft trotz allgemeiner Klima-Angst auf heisse Tage im September.

Montag, kurz vor 20 Uhr. Die Hoffnung sterbe zuletzt, meint Meteorologe Thomas Bucheli. Die Chance, dass im September die Temperaturen noch einmal gegen 30 Grad anstiegen, sei gering. «Das ist theoretisch möglich, aber statistisch sieht es schlecht aus», sagt er auf dem Fernsehdach. Es ­komme an manchen Orten in der Schweiz im Schnitt alle zehn Jahre mal vor, «andere Orte müssen aber viel länger warten».

Gleich im Anschluss an «Meteo» sendet SRF 1 den Programmhinweis auf «Schawinski». Dort wird offenbar ein ETH-Klimaforscher zu Gast sein. Der Beitrag, 40 Sekunden nachdem Thomas Bucheli über die sterbende Hoffnung auf Temperaturen um 30 Grad Celsius geredet hat, wird so ange­kündigt: «Hitzewellen, Gletscherschmelze, Waldbrände. Werden die düsteren Prognosen der Wissenschaftler durch die Realität noch übertroffen?»

SRF-«Meteo» lag den ganzen Hochsommer über immer am oberen Ende der Temperaturprognosen, wenn man sie mit anderen Wettervorhersagen verglich. Für Basel wurden bis zu 40 Grad prophezeit – die aber glücklicherweise nie eingetroffen sind. Es schien, als wolle man die Folgen der Klimaerwärmung unbedingt mittels eines Rekordwertes ganz klar belegen können. Und nun bedauert der ­Chefmeteorologe des Schweizer Fernsehens, dass es im September nicht mehr richtig heiss wird?!

Was gilt denn jetzt? Vielleicht müssen sich die frierenden Menschen an «anderen Orten» in der Schweiz ja tatsächlich nicht mehr lange ­gedulden, bis es auch im September «40 Grad» gibt, wenn «die düsteren Prognosen der Wissenschaftler durch die Realität noch übertroffen werden».

Weitere 27 Sekunden später läuft ein Werbespot, in dem eine junge Frau tonnenweise Ketchup auf ihren ­Pappteller lädt. Der Slogan dazu: «Ketsch­öp isch mis Gmües.»

Ein super Vorbild für all die Jugend­lichen, die einen grossen Bogen um Salat, Kohlrabi, Spinat und anderes Gesundes machen! Ketchup hat einen extrem hohen Zucker­anteil. Wer sich 100 Grammder roten, klebrigen Masse einverleibt, verschlingt dabei 22Gramm Zucker.

Der nächste Werbespot preist den hohen Nutzwert eines Kleinkredits, denn «es gibt immer eine Lösung!». Klar, wer nicht über genügend Geld verfügt, borgt es sich halt. Easy. Ob man so in die Schuldenfalle gerät, ist doch egal. Seit Bucheli den hohen Temperaturen nachtrauerte, sind jetzt 100 Sekunden galoppierender Irrsinn vergangen. Umschalten!

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