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Es dunkelt im Heidschnuckenland

Der dritte «Tatort» mit dem Bundespolizei-Duo Falke und Grosz ist der beste bis jetzt: In Lüneburg führt ein verdächtiger Flüchtling in richtig dicken Provinz-Sumpf.

Hat Kommissar Falke Leiche der jungen Geflüchteten gefunden – oder hat er die Frau getötet?
Hat Kommissar Falke Leiche der jungen Geflüchteten gefunden – oder hat er die Frau getötet?
Das Erste

Lüneburg bei Nacht: Fahles Licht auf Pflastersteinen und grelles Leuchtschriftblinken im schäbigen Motelzimmer von Bundespolizist Thorsten Falke (Wotan Möhring); Taschenlampenblitzen in einem alten Fabrikgelände und Schreibtischfunzeldämmer im kargen Verhörraum des Kommissariats. «Alles was Sie sagen», der zehnte Fall Falkes und der dritte zusammen mit Ermittler-Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz), macht das Fachwerkhausparadies im Heidschnuckenland buchstäblich zu einem dunklen Flecken Deutschlands. Und zu einer anderen Art «Dunkeldeutschland», einem Ort voller Korruption, Gewalt und Drogen.

Die beiden Vetreter der Bundespolizei sind dort auf der Suche nach einem potenziellen Kriegsverbrecher, der in einer libanesischen Miliz mitgetan haben soll. Der Verdächtige entkommt, zurück bleibt die Leiche einer erschossenen jungen Libanesin. Und die Bundespolizisten finden sich plötzlich im Fadenkreuz der Ermittlungen des lokalen Kripochefs wieder – dem Jörn Knebel eine klasse Pokerface verpasst.

Erzählerischer Jackpot

Bis die Sonne aufgeht, will dieser den Fall geklärt haben und denjenigen, der für den Tod der Frau verantwortlich ist, präsentieren können. In langen, getrennten Verhören lässt er Grosz und Falke die letzten Tage Revue passieren und spielt die beiden Partner dabei gegeneinander aus. Mit dieser Doppelperspektive hat sich das erfahrene Drehbuchteam Arne Nolting und Jan Scharf einen narrativen Jackpot erschrieben: Bis zum Schluss bleibt offen, wer da im Verhör die Fakten ums entscheidende Mü verschiebt und wo genau und wieso. Und im Off grummelt, ganz leise, die philosophische Grundsatzfrage nach der Möglichkeit von Wahrheit überhaupt.

Die harten Rückblenden dazu – von Regisseur Özgür Yildirim mit street credibility geadelt und mit echten Flüchtlingen besetzt, die keinen Pseudo-Akzent sprechen – fussen also auf nichts als Worten: auf den Stories und Suggestionen von Falke und Grosz. Und auf jenem Song-generierten Gefühlsteppich, den man etwa aus Creedence Clearwater Revivals «Fortunate Son» oder «Sympathy For The Devil» der Rolling Stones weben kann. Kammerspiel meets Sozialdoku.

Jeder hat hier Dreck am Stecken, die Geflüchteten, die lokalen Beamten und auch die zwei eingeflogenen. Selbst der Deutschlehrer der Flüchtlinge verschweigt etwas. Geschmeidig, dass den Autoren zudem noch ein unerwarteter finaler Dreh gelingt, der auch dem festgefahren angestrengten, recht aseptischen Verhältnis zwischen Grosz und Falke neuen Schub gibt. «Alles was Sie sagen» ist bis jetzt definitiv der beste Fall dieses Duos und macht Lust auf mehr.

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