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Endlich fertig

Hätte er den Stinkefinger zeigen sollen? Es wäre nicht unpassend gewesen. Doch Günther Jauch entschied sich in seiner letzten Talk-Sendung anders.

Zieht sich als Talkmaster zurück: Günther Jauch in seiner letzten ARD-Talkshow. (29. November 2015)
Zieht sich als Talkmaster zurück: Günther Jauch in seiner letzten ARD-Talkshow. (29. November 2015)
Paul Zinken, Keystone
Will eine Frage Jauchs erst in zwei Jahren beantworten: Finanzminister Wolfgang Schäuble. (29. November 2015)
Will eine Frage Jauchs erst in zwei Jahren beantworten: Finanzminister Wolfgang Schäuble. (29. November 2015)
Paul Zinken, Keystone
Mit Barbara Schöneberger bei der RTL-Spieleshow «Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle».
Mit Barbara Schöneberger bei der RTL-Spieleshow «Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle».
Keystone
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Bilanz ziehen «am Ende eines Krisenjahres». So lautete das Motto gestern bei Günther Jauch, zu Gast war der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Ein Fazit braucht es auch für Jauch. Denn der Star-Moderator gibt seine ARD-Talkshow nach vier Jahren auf, er hat eine Vertragsverlängerung «sowohl aus beruflichen als auch aus privaten Gründen» nicht angenommen, ohne diese zu präzisieren.

Der Korb an die ARD ist wohl vor allem als definitiver Beweis zu verstehen, dass Jauch mit der Sendung nie ganz glücklich wurde. Fernsehkritiker und Feuilletonisten hatten sich rasch auf ihn eingeschossen, ihm Banalität, Wissenslücken und Teilnahmslosigkeit vorgeworfen. Oder man meckerte über seinen Moderationsstil, diese Mischung aus Verdutztheit und Sanftheit, die so anders war als die Schnippigkeit seines Kollegen Frank Plasberg oder der gestrenge Habitus seiner Vorgängerinnen Anne Will und Sabine Christiansen.

Dass er auch die Quizshow «Wer wird Millionär?» moderierte, half seinem neuen Image als seriöser öffentlich-rechtlicher Talker nicht gerade. Und tatsächlich erinnerte er, selbst wenn es um ertrunkene Flüchtlinge oder Islamismus ging, immer ein bisschen an die guten alten Zeiten des Familienfernsehens: Ein netter TV-Kasper, irgendwo zwischen Thomas Gottschalk und Wolfgang Lippert. Menschliche Aspekte eines Themas, das zeigte auch das Schäuble-Interview, lagen ihm besser als der knallharte Polit-Talk.

Tolle Quoten

Im Durchschnitt erreichte seine Sendung eine Quote von fünf Millionen. Das sind mehr Zuschauer als alle vergleichbaren politisch aktuellen Talkformate. Ausserdem lag der Anteil der jüngeren Zuschauer so hoch wie nie zuvor auf diesem Sendeplatz. Natürlich wusste Jauch das und liess sich seine Dienste mit zehn Gebührenmillionen pro Jahr vergolden - für diese Summe produzierte seine eigene Firma i&u TV die Sendung.

Sein Engagement bei der ARD war nicht exklusiv; er war neben «Wer wird Millionär» in der RTL-Spieleshow «Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle» zu sehen. Vielleicht war dies der Grund, wieso der ARD-Programmbeirat ziemlich heuchlerisch bemängelte, dass Jauch «selten nachhake und eine klar erkennbare eigene Meinung vertrete und so der Verpflichtung zur journalistischen Sorgfalt nicht nachkomme.» Doch wer einen Jauch einstellt, weiss, was er erwarten kann: Infotainment - und tolle Quoten. Beides keine Anforderungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Zuletzt erregte der Streit um ein in der Sendung gezeigtes Video des griechischen Finanzministers Giannis Varoufakis für Wirbel. Jauchs Redaktion wurde vorgeworfen, einen gestreckten Zeigefinger des Politikers aus dem Kontext gerissen zu haben, um so Stimmung gegen Griechenland zu machen. Kurz: Die Beziehung zwischen Jauch und der ARD war stets eine komplizierte. Ob er nicht noch zwei Jahre anhängen wolle, fragte ihn Schäuble zum Schluss. Das sei völlig ausgeschlossen, antwortete Jauch. Und es hätte nicht verwundert, wenn er zum Abschied selbst den Mittelfinger in die Kamera gehalten hätte. Aber dafür ist er natürlich zu anständig - oder zu harmlos. Je nach Sichtweise. Er hat dann einfach sein Traumschwiegersohnlächeln aufgesetzt und gesagt: «Danke, einen schönen Abend und auf Wiedersehen.»

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