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Elsener muss gehen: Eine Niederlage für SRF – und uns alle

Das Schweizer Fernsehen setzt Michael Elseners «Late Update» ab. Das ist verständlich, aber dennoch nicht okay.

Nach zwei Staffeln schon Geschichte: Das Schweizer Fernsehen setzt Michael Elseners Satiresendung «Late Update» ab. Foto: SRG
Nach zwei Staffeln schon Geschichte: Das Schweizer Fernsehen setzt Michael Elseners Satiresendung «Late Update» ab. Foto: SRG

Nimmt man die Qualität zum Massstab, ist es verständlich und völlig okay, dass Michael Elseners Late-Night-Sendung abgesetzt wird. Denn im grossen Ganzen konnte das «Late Update» nicht überzeugen, das am Sonntagabend auf dem alten Sendeplatz von «Giacobbo/Müller» zu sehen war. Zu zahlreich waren die flachen Pointen. Und die schwachen Momente, die sich oft über viele Sendungsminuten hinziehen konnten.

Elsener scheiterte nicht zuletzt an den eigenen Ansprüchen – und den hohen Erwartungen seitens des Publikums, die es gab. Bevor der 34-Jährige für SRF seine Sendung machte, hatte er mit Facebook-Videos auf sich aufmerksam gemacht, die dem heutigen Goldstandard in Sachen Satire entsprechen: Sie waren lustig, aber zugleich politisch im besten, also aufklärerischen Sinne. Etwa Elseners Video zur No-Billag-Abstimmung oder der Clip, in dem er Christa Rigozzis Werbedeals sezierte. Beide Videos wurden im Internet hunderttausendfach geklickt.

Elseners Facebook-Videos nährten die Hoffnung, er könnte unser Schweizer John Oliver oder Jan Böhmermann sein. Also am Sonntagabend die Aktualität so kommentieren, dass darüber gesprochen wird. Das gelang nicht. Aber: Die Quoten von Elseners «Late Update» waren nicht so schlecht, wie man es erwarten könnte. Sie waren zuletzt gleich gut wie die von «Deville», dem anderen Schweizer Late-Night-Format, das im Wechsel mit Elseners Format zu sehen war.

Sehnsucht nach dem Emil-Humor

Im «Late Update» gab es auch immer wieder Highlights. Nicht zuletzt, weil die Sendung eine Plattform für andere Komiker und Satiriker war: Dank dem «Late Update» erhielt Renato Kaiser in der Rolle eines Aussenreporters eine erste grosse Bühne, wir verliebten uns in Matto Kämpfs neurotische Versagerfiguren, Patti Basler führte Bundesrat Maurer aufs Glatteis. Und Elsener selbst konnte mit seinem Ronny Buser eine neue Figur etablieren, die der Schweizer Sehnsucht nach dem unverwüstlichen Emil-Humor entsprechen müsste.

«Wenn Sie jetzt ‹Leader› auf Deutsch übersetzen?» –Patti Basler führt Ueli Maurer fürs «Late Update» aufs Glatteis.

Zwei Staffeln oder insgesamt 18 Sendungen gab es von Elseners «Late Update»: Wenig Zeit, um ein neues Format zu etablieren. «Deville» dagegen hatte ganze sechs Staffeln auf einem Sendeplatz am Freitagabend, um sich auszuprobieren und erste Erfolge zu landen, bevor das Format auf den Sonntagabend wechselte. Diesen Vorlauf hatte Elsener nicht. Die Absetzung seines «Late Update» wirkt daher nicht nur etwas überhastet, sie ist auch eine krachende Niederlage fürs Schweizer Fernsehen. Denn anders als «Deville», das von einer externen Produktionsfirma hergestellt wird, wurde Elseners «Late Update» vom Schweizer Fernsehen selbst produziert.

Die Absetzung von Elseners «Late Update» ist nicht zuletzt auch politisch zu verstehen: Vergangenen Monat machte die «SonntagsZeitung» publik, dass FDP-Präsidentin Petra Gössi bei SRF-Chef Gilles Marchand interveniert hatte.Wegen eines Sketches, in dem der Eigenverantwortungsimperativ der Freisinnigen auf die Spitze getrieben wurde. Das war sehr lustig, sehr scharf – eigentlich genau das, was wir am Sonntagabend sehen wollen.

Bereits bei der Premiere seines «Late Update» hatte Elsener mit einem Essay zur FDP für Furore gesorgt – und den Slogan «Fuck de Planet» geprägt, der dann von den Schülern auf den «Fridays for Future»-Demos aufgenommen wurde. Auf Schildern mit Schrift im FDP-Blau.

Man kann sich vorstellen, welche Nervosität es beim Schweizer Fernsehen ausgelöst haben wird, dass die Intervention der FDP-Präsidentin beim SRF-Chef publik wurde. Nur einen Monat später zog man dem Satireformat den Stecker. Deshalb ist die Absetzung von Elseners «Late Update» auch eine Niederlage für das SRF-Publikum und für die Gebührenzahler, also für uns alle. Und das ist nicht okay.

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