«Der war jetzt gut!»

Wie reagiert Comedian Mario Barth, wenn man ihm schlechte Witze erzählt? So.

Rustikaler Auftritt: Mario Barth in Stefan Raabs Sendung «TV total».


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Herr Barth, Sie sind mit Ihren Witzen sehr erfolgreich. Ist das ein guter Witz: «Eine Kugel rollt um die Ecke und fällt um»?
(lacht nicht) Wenn man Politologie studiert hat und abends mit einem Glas Rotwein durch die Gegend läuft, ist das sicher ein ganz toller Gag. Weil er so super intellektuell ist, so ungeheuer kontrovers. «Eine Kugel rollt um die Ecke», das kann eigentlich gar nicht sein ... so ein Physikerwitz ist das. Sheldon Cooper von «Big Bang Theory», der könnte den erzählen. Ich würde ihn nicht bringen auf der Bühne.

Zweiter Versuch: «Zwei Papageien sitzen auf einem Ast. Der eine fällt herunter, der andere heisst Markus.»
(lacht wieder nicht) Das erinnert mich an die 80er-Jahre. «Zwei Pferde sitzen auf einem Baum und stricken Eier. Ist der andere auch tot.» Das sind so Anti-Witze. Die funktionieren interessanterweise bei Intellektuellen – und bei ganz kleinen Kindern.

Ist ein glückliches Leben denkbar ohne die spezielle Atmungsbewegung des Lachens?
Ich kann mir das nicht vorstellen, natürlich nicht. Aber ich glaube, sogar der buddhistische Mönch, der ein Schweigegelübde abgelegt hat, lacht. Er lacht halt einfach innerlich. Mir fällt übrigens auf, dass das Lachen in der Gesellschaft abnimmt.

Vor zwanzig Jahren wurde häufiger gelacht?
Man durfte häufiger lachen. Das Lachen hat nicht zuletzt wegen der politischen Hyperkorrekheit abgenommen, die mittlerweile häufig auch in ganz unnötigen Momenten praktiziert wird. Dabei wirkt das Lachen spannungslösend wie kaum etwas anderes.

«Zwei Kannibalen essen einen Clown. Sagt der eine: ‹Schmeckt komisch.›»
(lacht) Kenne ich. In einem überraschenden Moment erzählt, trocken vorgetragen: Ja, der kann witzig sein. Kommt aber aufs Timing an, wie immer. Man braucht eine Rampe, wie das der Comedian nennt. Eine Einleitung also, auf der der Witz abheben kann. Timing ist das wichtigste Talent eines Comedians. Sagte schon Jerry Lewis.

Humor gilt als Möglichkeit des sowohl körperlich als auch finanziell unattraktiven Mannes, Frauen dennoch zu beeindrucken …
(lacht) Der war jetzt gut!

Das war gar kein Witz. Meine Frage ist vielmehr: Ist der Humor von Frauen also tendenziell echter, weil ohne Zweck?
Das ist jetzt so eine Kabarettfrage. Frauen sagen vielleicht öfter, dass ihnen Humor wichtig ist. Aber letztlich ist es für beide Geschlechter extrem wichtig, so an und für sich. Wenn ich Adam Sandler sehen möchte, meine Freundin aber total griesgrämig ist, sich aufregt und einen philosophischen Film über rote Waldameisen schauen will – dann wirds nun einmal schwierig. Ohne einen geteilten Humor ist Sympathie kaum möglich. Die kleinen Verrücktheiten, die bringen sehr viel. Deshalb sage ich in meinem neuen Programm: «Männer, werdet bekloppter! Dann werdet ihr sexier!»

«Frauen duschen ohne Haarewaschen, damit sie am nächsten Tag nur Haare machen können.»
(kichert) Ja, klar. Ist von mir. Das Duschverhalten vieler Frauen ist tatsächlich interessant, und Männer checken das nicht. Bei denen gibt es nur: «Duschen». Bei Frauen mit langen, schweren Haaren dauert nur schon das Föhnen Stunden. Also gibt es bei ihnen «Duschen mit Haare», «Duschen ohne Haare» sowie «Nur Haare duschen». Total sinnvoll, wenn man mal darüber nachdenkt.

«Das Ehepaar X lebt auf ziemlich grossem Fusse. Nach der Ansicht der einen soll der Mann viel verdient haben und sich dabei etwas zurückgelegt haben. Nach anderen soll sich die Frau etwas zurückgelegt und dabei viel verdient haben.»
Ein intellektuelles Wortspiel, verstehe schon. Mein Ding ist das nicht. Fips Asmussen könnte den vielleicht gut rüberbringen. Dann brauchst du aber eine ziemliche Schlagzahl, da musst du einen nach dem anderen raushauen.

Das war ein Lieblingswitz von Sigmund Freud. Seziert in «Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten», 1905.
Das ist schon okay! (lacht) Ich will ja niemandem was vorschreiben. Freud fands witzig, ich nicht. Es gibt ja auch diese Momente, wenn ich zufällig meine Freundin mit ihren Freundinnen treffe und sie sich über ihre Insider-Witze schlapplachen. Ist doch super. Heute wird leider viel zu oft gemeckert: «Das ist doch gar nicht witzig!»

Für Freud war der Witz ein Behelfsmittel, um die unbeschwerte Euphorie der Kindheit kurzzeitig wiederherzustellen.
Da hat der Sigmund Freud total recht. Frauen ermahnen Männer ja gern, endlich erwachsen zu werden. Hört man an jeder Ecke. Aber was soll das heissen – «endlich erwachsen werden»? Dick werden? Haarausfall bekommen? Kinder haben uns viel voraus. Eine Anekdote: Im Urlaub in Spanien sah ich jüngst zwei kleine Jungen, die Eis kaufen gingen, total harmonisch. Der eine sprach Deutsch, der andere Spanisch. Beide Väter glaubten danach, der andere, fremde Junge sei doppelsprachig – was aber gar nicht stimmte! Die kamen auf ganz naive Art miteinander aus. Der Grönemeyer-Slogan «Kinder an die Macht» hat schon was. Ich bleibe deshalb bewusst ein Kindskopf.

Wann ist ein Comedy-Abend für Sie gelungen? Merkens Sies an der Anzahl Lacher?
Wenn die Leute sich nachher verblüfft darüber unterhalten, wie schnell die Show vorbeigegangen sei. Wenn es also zur Umkehrung des Kritiker-Bonmots kommt: «Als ich um elf Uhr auf die Uhr schaute, war es erst neun.»

Hat das Schweizer Publikum seine Eigenarten?
Früher riet man ja, man soll dort die Schlagzahl etwas drosseln, langsamer erzählen auf der Bühne. Aber meine Erfahrungen in den letzten Jahren zeigten, dass das nicht nötig ist. Ich ziehe da dasselbe Programm durch wie in Deutschland, selbes Timing.

Ein Letzter: «Wie sortieren Männer ihre Wäsche? In zwei Stapeln: ‹dreckig› und ‹dreckig, aber tragbar›.»
(lacht) Finde ich sehr gut! Welcher Kollege von mir hat den nochmals erfunden … (überlegt) na, jedenfalls ein toller Witz. Ist übrigens wissenschaftlich belegt, dazu habe ich lustigerweise gerade jüngst eine Studie gelesen. Frauen waschen demnach viel zu viel, viel zu häufig. Männer dagegen lassen einen Pullover schon mal drei Tage liegen, dann schnüffeln sie daran – und befinden ihn weiterhin für gut. Hat sich wissenschaftlich bewährt, die männliche Methode.

Kann man zu viel lachen? Reichts dann auch mal?
Ach was. Von Beerdigungen und wirklich bösartigen Beleidigungen einmal abgesehen ist Lachen immer angebracht. Immer.

Mit Witzen von Spitzenwitze.de und Lachmeister.de

Erstellt: 24.05.2016, 23:49 Uhr

Mario Barth hält den Weltrekord als Live-Comedian mit den meisten Zuschauern: 2014 trat er im Olympiastadion seiner Heimatstadt Berlin an zwei Tagen vor insgesamt über 116'000 Zuschauern auf.

Der 43-Jährige witzelt primär über das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Bisherige Shows hiessen «Männer sind Schweine, aber Frauen auch», «Männer sind primitiv, aber glücklich» oder «Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!»; das aktuelle Programm heisst «Männer sind bekloppt, aber sexy!». Diesen Freitag tritt Barth im Zürcher Hallenstadion auf.

Das Bild zeigt Barth nach der Entgegennahme des deutschen Comedypreises am 23. Oktober 2007. (Bild: Keystone )

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