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Der Detektiv und die nackte Frau

Benedict Cumberbatch:?Er kehrt zurück als Sherlock Holmes. Wieder mit Handy. Und neu als Sexsymbol.

«I am a fucking fantastic lover»: Benedict Cumberbatch spielt Sherlock 2.0 und hat zuweilen mit den Voruteilen gegenüber seiner Person zu kämpfen.
«I am a fucking fantastic lover»: Benedict Cumberbatch spielt Sherlock 2.0 und hat zuweilen mit den Voruteilen gegenüber seiner Person zu kämpfen.
Keystone

Er ist gross, schlank und marmorbleich, seine Aussprache sitzt wie ein Anzug, und für den Blick seiner graublauen Augen bräuchte er einen Waffenschein. Er versprüht die dosierte Selbstironie, ohne die man in England nicht weit kommt. Er ist gebildet und gescheit, er hat Charme, er hat Erfolg.

Seit Benedict Timothy Carlton Cumberbatch in der BBC-Serie «Sherlock» die moderne Variante des viktorianischen Detektivs spielt, Sherlock 2.0 sozusagen, ist er sogar weltberühmt. Der Londoner Schauspieler gibt den Ermittler als schnell denkenden, kühlen Soziopathen, seltsam geschlechtslos und zugleich leidenschaftlich bis zur Wahnbildung, wenn er einem Fall nachgeht. Letzteres verspürte man in den ersten beiden Staffeln auch als Zuschauer (die ARD zeigt die zweite ab Mitte Mai).

Trotz aller Auftritte, Lobpreisungen und Quoten wird der Gefeierte nicht froh. Denn das Publikum schliesst von seinen Rollen auf seine Person zurück: «Ich werde entweder als fahler, abgehobener, neurotischer Intellektueller eingesetzt oder als androgyner Typ, in anderen Worten: als schlechter Liebhaber», klagt Cumberbatch. Dabei sei er das genaue Gegenteil, versichert er: «I am a fucking fantastic lover.»

Angeboten, nicht aufgezwungen

Letzteres lässt sich nicht überprüfen, zu Ersterem hat der 35-Jährige einiges beigetragen. Bevor Cumberbatch Sherlock wurde, spielte er unter anderem den Astrophysiker Stephen Hawking, den Mathematiker Stephen Ezard, den Premierminister William Pitt und, abwechselnd, den Doktor Frankenstein oder das von ihm erschaffene Monster. Seit der Sherlockwerdung hat er sich als Geheimdienstoffizier Peter Guillam empfohlen und ist für die Rolle von Khan Noonien Singh vorgesehen, einem Übermenschen aus der «Startrek»-Serie.

Nun werden Rollen angeboten oder ausgeschrieben, aber nicht aufgezwungen. Und wer solche Typen spielt, darf sich nicht wundern, wenn er in den dazugehörigen Filmen überdurchschnittlich häufig einsam, irr oder mit Hornbrille herumläuft und relativ wenig Zeit in Frauen verbringt.

Also gönnt man dem Schauspieler die gestrige Nachricht, dass ihn die Leser und vor allem die Leserinnen der britischen Boulevardzeitung «The Sun» zum attraktivsten Mann gewählt haben. Und dazu noch mit der doppelten Zahl von Stimmen, die dem Zweitplatzierten zufielen. Benedict Cumberbatch erhielt über 7000 Stimmen, Fussballer David Beckham nicht einmal 3500.

Konfuser Sherlock

Macht Intelligenz also erotisch? Irène Adler ist davon überzeugt. Und das will etwas heissen. Denn sie ist nicht nur die einzige Frau, für die Sherlock Holmes so etwas wie Gefühle entwickelt. Sie ist auch einer der wenigen Menschen, die ihm intellektuell überlegen sind. Beides bekommt man in der ersten Folge der zweiten «Sherlock»-Staffel vorgeführt, wo Miss Adler (Lara Pulver) als Domina arbeitet, die englische Regierung erpresst und Sherlock Holmes verwirrt. Schon bei der ersten Begegnung tritt sie ihm nackt gegenüber. Und durchschaut ihn so leicht, als habe auch er nichts an. Er stottert, sie lächelt. Er fuchtelt, sie entkommt. Er sucht sie, sie narrt ihn.

Benedict Cumberbatch spielt den konfusen Sherlock mit Bravour. Sein liebhaberisches Talent aber kann der Schauspieler auch hier nicht demonstrieren. Als Miss Adler mit der Reitgerte auf Sherlock losgeht, fällt dieser erst zu Boden und dann ins Bett. Allein. Bewusstlos.

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