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«Das Aus geht an die Nieren»

Die früheren Moderatoren von «Wetten, dass...?» reagierten umgehend. Nach dem Ende der Show droht ein grosses Loch.

«Wir gehen jetzt in die Sommerpause und sehen uns wieder am 4. Oktober mit den letzten drei Ausgaben von ‹Wetten, dass...?›»: Markus Lanz verkündet das Ende der legendären Unterhaltungsshow. (5. April 2014)
«Wir gehen jetzt in die Sommerpause und sehen uns wieder am 4. Oktober mit den letzten drei Ausgaben von ‹Wetten, dass...?›»: Markus Lanz verkündet das Ende der legendären Unterhaltungsshow. (5. April 2014)
Keystone
Eine Berühmtheit in ungewohnter Pose: Die US-Sängerin Anastacia müht sich mit einem Hula-Hoop-Reifen ab. (5. April 2014)
Eine Berühmtheit in ungewohnter Pose: Die US-Sängerin Anastacia müht sich mit einem Hula-Hoop-Reifen ab. (5. April 2014)
Keystone
Hochkarätige Gäste auch in der gestrigen Sendung: Markus Lanz (links) mit der Schauspielerin Cameron Diaz und Designer Guido-Maria Kretschmer. (5. April 2014)
Hochkarätige Gäste auch in der gestrigen Sendung: Markus Lanz (links) mit der Schauspielerin Cameron Diaz und Designer Guido-Maria Kretschmer. (5. April 2014)
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«Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können», sagte Thomas Gottschalk in einem Telefongespräch mit «Spiegel online». Er habe erst durch den Anruf von der Einstellung der Show erfahren. Weiter wollte er sich nach Angaben des Nachrichtenportals nicht dazu äussern. Gottschalk moderierte zwischen 1987 und 2011 insgesamt 151 Ausgaben von «Wetten, dass...?».

Show-Schöpfer Frank Elstner reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter auf das Ende von «Wetten, dass...?»: «Das geht an die Nieren. Alles andere wäre gelogen!», war auf seinem Account zu lesen. «Dem Nachwuchs gehört die Zukunft im Netz! Ich bin dabei. Freue mich!», schrieb Elstner weiter.

Noch-Moderator Markus Lanz bedauerte, dass «Wetten, dass...?» mit der Entwicklung der TV-Landschaft nicht mehr habe Schritt halten können. Die Show sei etwas, «was das deutsche Fernsehen eigentlich dringend braucht». «Aber offenbar passt es im Moment wahrscheinlich nicht mehr so richtig in die Zeit. Die Zeit ist doch ein bisschen kalt geworden, vielleicht kann mans so sagen», teilte der Moderator der vom ZDF beauftragten Agentur All4radio mit. Lanz bezeichnete die Show als «feine Familienunterhaltung» ohne «Zynismus» und «Sarkasmus».

Schweizer Fernsehen stieg schon 2012 aus

Das Jahr 2014 wird mit Sicherheit als ein Wendepunkt in der deutschsprachigen Fernsehgeschichte in Erinnerung bleiben. Wenn nämlich am 13. Dezember das grosse ZDF-Paradepferd «Wetten, dass...?» vom Bildschirm verschwindet, stirbt ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Fernsehkultur.

Das Schweizer Fernsehen hatte die Show bereits im Mai 2012 aus dem Programm gekippt. Wegen fehlender Swissness kündigte SRF die Koproduktion mit ZDF und ORF. Seit Beginn der Sendung 1981 hatte «Wetten, dass...?» nur gerade zwölfmal in der Schweiz haltgemacht.

Spott und Hohn für Lanz

Doch das Aus der Sendung zeigt auch ein grundsätzliches Problem: Die Unterhaltung aus der Röhre lässt das junge Publikum kalt. Es lechzt zwar auch nach Entertainment, doch das klassische Fernsehen kann diese Wünsche mit seinen antiquierten und verstaubten Formen im Stil von «Wetten, dass...?» nicht erfüllen.

Lanz hat viel Spott und Hohn für einige linkische Aktionen im Verlauf seiner 13 Ausgaben seit Oktober 2012 einstecken müssen, doch nicht allein sein Auftreten ist verantwortlich für den Niedergang deutscher TV-Unterhaltung. Auch andere Sender müssen mittlerweile erkennen, dass ihre Shows nur noch selten über die 6-Millionen-Zuschauer-Marke springen – und wenn, besteht die Zuschauerschaft vorwiegend aus der reiferen Generation.

Dass das klassische Unterhaltungsfernsehen mit seinen Ursprüngen aus den Sechziger- bis Achtzigerjahren nicht mehr gefragt ist, zeigen auch die Neuauflagen alter Formate: Die ARD übernahm vom ZDF die Hans-Rosenthal-Legende «Dalli Dalli» unter anderem Titel («Das ist Spitze!»), fuhr zunächst auch gut damit, doch dann rutschte Moderator Kai Pflaume auch unter die 4-Millionen-Marke. Beim Neuaufguss von Hans-Joachim Kulenkampffs «Einer wird gewinnen» beliess es die ARD kürzlich vorsichtshalber bei einer Ausgabe.

Viel zu teuer

Für das ZDF, so stellte Intendant Thomas Bellut jüngst in einem Interview mit dem «Handelsblatt» klar, rechnet sich so eine Show nicht mehr. Mitunter fallen bis 2,5 Millionen Euro Kosten für eine Ausstrahlung an. Ein Samstagabendkrimi ist deutlich billiger und wird gesehen: Anna Loos und ihr Krimi «Helen Dorn» erreichte jüngst locker acht Millionen Zuschauer. Das hatte Bellut einst als Vorgabe für Markus Lanz ausgegeben, als dieser «Wetten, dass...?» übernahm.

5,85 Millionen Zuschauer hatten «Wetten, dass...?» noch im Februar eingeschaltet – Minusrekord. Trotzdem ein ordentlicher Wert im Vergleich zu anderen Unterhaltungsprodukten. Doch ob nett gemeinte Einlagen wie am Samstag der Hochzeitswalzer mit Hape Kerkeling und Veronica Ferres oder biedere Wetten wie Bogenschiessen auf Toastscheiben so ein Format retten können, ist zu bezweifeln.

Symbolisch war eines der letzten Bilder von Lanz am Samstagabend: Auf einem Trampolin stehend, sprang er wie ein aufgeregtes HB-Männchen auf seinen Moderationskärtchen herum. Papiermüll für die Geschichte.

SDA/ldc

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