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«Bei Thommy und der ARD nennt man es Studioumgestaltung»

Jüngst lästerte er noch über Gottschalks miese Zuschauerzahlen, jetzt fliegt Schmidt nach einem halben Jahr bei Sat 1 wieder raus. Mehr als «schade» sagt er dazu nicht – offiziell.

Letzte Sendung am 3. Mai: Harald Schmidt auf einem Bild aus dem Jahr 2005.
Letzte Sendung am 3. Mai: Harald Schmidt auf einem Bild aus dem Jahr 2005.
Keystone

Die quotenschwache Late-Night-Show von Harald Schmidt auf Sat 1 wird eingestellt. Am 3. Mai läuft die letzte Ausgabe des im September neu gestarteten Formats, wie der Sender mitteilte. Sat 1 und die Kogel & Schmidt GmbH hätten sich «nach intensiven Gesprächen» darauf verständigt, dass dieser Tag gleichzeitig das Finale von «Die Harald Schmidt Show» bedeute.

Das Format hatte nach dem Start schnell mit schwachen Quoten zu kämpfen und immer wieder Anlass für Spekulationen geboten, das Aus für die Sendung kam jetzt aber doch überraschend. Bereits beschlossen war, dass die Sendung im Mai in die Sommerpause geht.

Sendung gut, Quoten noch nicht

Der langjährige Late-Night-Entertainer Schmidt (54), der noch jüngst über die schlechten Quoten von ARD-Vorabendtalker Thomas Gottschalk gelästert hatte, wird in der Mitteilung des Senders lediglich mit dem Kommentar «schade» zitiert. Auf Twitter finden sich dafür einige zynische Kommentare wie «Ich und Sat 1 sagen wenigstens wenn es AUS! ist. Bei Thommy und der ARD nennt man das Studioumgestaltung.». Und auch wie es soweit kommen konnte wird erklärt: «Liebe Fans! Wollt ihr die Wahrheit über das Aus der Show auf Sat 1? Ganz einfach. Für die Hälfte mache ich es nicht. Basta!». Wie Tagesanzeiger/Newsnet von der Betreiberin des Twitter-Accounts, der Produktionsfirma Bonito TV, erfuhr, steckt dahinter tatsächlich Harald Schmidt. Dem Tweet zu vernehmen, hat der Talk-Master auch bereits gewisse Zukunftsperspektiven: «Werde mich nach meiner TV-Karriere nun auf Twitter konzentrieren. Oder die FDP retten.».

Produzent Fred Kogel sagte: «Die Sendungen waren gut, die Quoten waren es insgesamt noch nicht.» Eine tägliche Late-Night-Show brauche entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit. «Wenn man darüber keine Einigung erzielen kann, hört man besser auf.» In einem Interview im Dezember hatte Schmidt gesagt, Late Night sei «definitiv die letzte Station im Fernsehen. Mich interessiert nichts anderes mehr.»

«Late Night der Extraklasse»

Sat.1-Geschäftsführer Joachim Kosack sagte, Harald Schmidt sei für ihn persönlich «Late Night der Extraklasse». Doch auch die Erhöhung der wöchentlichen Frequenz auf drei Ausgaben habe die Fangemeinde leider nicht ausreichend erweitern können. Eine weitere Zusammenarbeit mit Schmidt ist den Angaben zufolge aktuell nicht geplant.

Die Harald Schmidt Show war am 13. September 2011 gestartet. Nach Senderangaben schalteten seitdem im Schnitt 730'000 Zuschauer ein, das entsprach einem Marktanteil von 5,4 Prozent. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es 430'000 Zuschauer und sieben Prozent.

Rückkehr zu Sat 1 im vergangenen Jahr

Bereits 1995 bis 2003 war die Harald Schmidt Show bei Sat 1 im Programm. Danach wechselte Schmidt zur ARD, seine ARD-Show startete Ende Dezember 2004. Die Solosendung Harald Schmidt wurde im Oktober 2007 von Schmidt & Pocher abgelöst. Die Zusammenarbeit mit dem Komiker Oliver Pocher endete nur 18 Monate später. Seit September 2009 war Schmidt wieder solo als Late-Night-Talker im Ersten im Einsatz.

Die Kogel & Schmidt GmbH wurde 2004 von Kogel und Schmidt gegründet und produzierte in der Vergangenheit die Sendungen Harald Schmidt und Schmidt & Pocher für das Erste. Seit September 2011 produziert die Firma die Harald Schmidt Show.

Anfängliche Begeisterung

Seit Januar war das Format drei statt zwei Mal gelaufen. Mit dem dritten Sendeplatz wird es wöchentlich dienstags, mittwochs und neu auch donnerstags jeweils um 23.15 Uhr ausgestrahlt. Dies hatte Sat 1 im Dezember angekündigt. Kosack hatte bereits seinerzeit gesagt, Schmidt stehe für Late Night der Extraklasse. «Indem wir die wöchentliche Frequenz einer inhaltlich sehr starken Sendung erhöhen, machen wir aus der Harald Schmidt Show endlich eine richtige Late Night», fügte er hinzu.

Zunächst sollen nun ab Mai nach Senderangaben auf dem Sendeplatz dienstags Reportagen, mittwochs Spielfilme oder Reportagen und donnerstags Serien laufen.

Fans reagieren zornig

Fans der Harald Schmidt Show reagierten mit Zorn und Unverständnis auf das angekündigte Ende der Sendung. «Was für eine unfassbare Fehlentscheidung des Senders!», schrieb einer der ersten Kommentatoren auf der Facebook-Fanseite zur Show.

Eine andere Kommentatorin zeigte dagegen Verständnis: «Das wundert mich – leider – nicht», schrieb sie. Auch auf dem Netzwerk Twitter war es das meist diskutierte Thema. «Ein trauriger Tag fürs Fernsehen», befand Klaas Heufer-Umlauf, der auch an der Show mitwirkt. «Hab ich ehrlicherweise eh nicht mehr gesehen», meinte dagegen ein anderer Nutzer.

dapd/omue

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