Akzeptiert Sascha Ruefer!

Macht der SRF-Nati-Moderator einen guten Job? Eben. Wir wissen, was er für den Durchbruch noch braucht.

Kommentiert seit 2009 die Spiele der Nati: Sascha Ruefer.

Kommentiert seit 2009 die Spiele der Nati: Sascha Ruefer.

(Bild: Keystone/Montage TA)

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Vielleicht brauche es eine Schweizer Sternstunde, hatte Sascha Ruefer vor dem Rumänien-Spiel gesagt. Es wurde ein sehr gutes Spiel, eine Sternstunde aber wurde es nicht. Auf eine solche hofft Ruefer natürlich auch aus Eigennutz – es wäre seine Chance, sich ins kollektive Gedächtnis zu reden. Herbert Zimmermanns «Aus, aus, das Spiel ist aus!» oder Edi Fingers «I werd narrisch!» tönt jedem halbwegs informierten Fussballfan im Ohr. Beni Thurnheer hatte die WM 94 («Wieder lauert Bregy. Das ist jetzt die Idealdistanz für ihn. Rechts oben…? Jawohl!»), Ruefer hatte bisher nur Stückwerk. Am nähesten kam er der Sportgeschichte 2010. Doch nach dem Sieg gegen Spanien fielen die Schweizer auseinander.

Als Thurnheer-Nachfolger scheint Ruefer deshalb immer noch nicht angekommen zu sein. Bei jedem Nati-Match grätschen ihn seine Kritiker so routiniert ab wie italienische Innenverteidiger einen belgischen Dribbler: Dieses Laber-Deutsch, das manchmal unangenehm im Ohr kratzt wie eine Musikantenstadl-Ansprache von Florian Silbereisen. Dieses bemühte Einstreuen von ruralen Dialektwörtern, dieses ach so freche «geil!», dieser wacklige Patriotismus («Wir singen die Hymne inbrünstig mit»).

Mit Chuzpe

Vergessen geht dabei, wie souverän Ruefer das brisante Albanien-Spiel besprach. Ein falscher Nebensatz nur, und der Facebook-Shitstorm wäre heraufgezogen. Vergessen geht, wie Ruefer ein Sorgenkind wie Shaqiri liebevoll begleitet – hart in der verpatzten Situation, aber immer das Potenzial im Blick. Vergessen geht, dass Ruefer die Chuzpe hat, eine Absonderlichkeit wie von Bergens Pfostenschuss gegen Moldawien genüsslich auszuweiden. Und vergessen geht nicht zuletzt, dass das SRF zum Sprach-Turbo Ruefer keine Alternative hat. Weder der beamtenhafte Dani Wyler noch der schüchterne Patrick Schmid noch der schläfrige Dani Kern wären eine bessere Wahl.

Sieben Jahre nach Amtsantritt – der Schlagerfan würde Peter Maffay anstimmen – ist es Zeit, Ruefer als Stimme der Nati-Generation Shaqiri zu akzeptieren. Am leichtesten fiele uns das natürlich mit einem sensationellen Achtelfinalsieg über Weltmeister Deutschland. Gern stellen wir uns Ruefer vor: «Ich fasse es nicht, Seferovic, 89. Minute, ich dreh durch, ich raste aus...»

baz.ch/Newsnet

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