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Abgang der Universal-Versteherin

Während 25 Jahren unterhielt Oprah Winfrey das Publikum mit Klatsch und Alltagssorgen. Nun hört die Talkshow-Queen auf. Die Highlights ihrer Karriere.

Tom Cruise war für eine der wohl denkwürdigsten Oprah-Winfrey-Shows verantwortlich. Weil er sich so über seine damals neue Liebe zu Katie Holmes freute, ...
Tom Cruise war für eine der wohl denkwürdigsten Oprah-Winfrey-Shows verantwortlich. Weil er sich so über seine damals neue Liebe zu Katie Holmes freute, ...
Keystone
...hüpfte er wie ein Verrückter auf Winfreys Sofa herum. Die nahm es ihm nicht übel und lud ihn trotzdem immer wieder ins Studio ein.
...hüpfte er wie ein Verrückter auf Winfreys Sofa herum. Die nahm es ihm nicht übel und lud ihn trotzdem immer wieder ins Studio ein.
Keystone
Neue Figur, neues Glück: 1988 präsentierte Oprah Winfrey ihre schlanke Figur. Es dauerte aber nicht lange, da waren die Pfunde wieder drauf.
Neue Figur, neues Glück: 1988 präsentierte Oprah Winfrey ihre schlanke Figur. Es dauerte aber nicht lange, da waren die Pfunde wieder drauf.
Keystone
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Mehr als 4500 Folgen, mehr als 30'000 Gäste, ein Multimillionen-Publikum auf der ganzen Welt: Oprah Winfrey hat mit ihrer Talkshow Fernsehgeschichte geschrieben. Woche für Woche unterhielt die US-Moderatorin ihr vorwiegend weibliches Publikum mit Gesellschaftsthemen. Letzte Woche läutete das Ende der Talkshow-Ära ein.

Die US-Medien feiern Winfreys letzte Talkshow als epochales TV- Ereignis, die «New York Times» kürte sie schon vor der Ausstrahlung am Mittwoch zum grössten Fernsehmoment seit dem Abschied der Late- Night-Legende Johnny Carson vor zwei Jahrzehnten.

Eingeleitet wird das Oprah-Finale mit zwei Überraschungssendungen am Montag und Dienstag, aufgezeichnet in der vergangenen Woche vor 13'000 Fans. Ein riesiges Promiaufgebot würdigt dabei die Verdienste einer zu Tränen gerührten Winfrey. Über ihre letzte Show ist dagegen fast nichts bekannt. Der Abschluss soll im Kreise von Freunden und Verwandten stattfinden, heisst es.

Bewegte Biografie

Als Winfrey aufwuchs, sprach eigentlich nichts dafür, dass sie einmal die erste afroamerikanische Milliardärin und eine der einflussreichsten Prominenten der USA werden würde. Rassentrennung prägten das gesellschaftliche Umfeld im südlichen Bundesstaat Mississippi, in das sie 1954 als uneheliches Kind geboren wurde.

Die ersten Jahre wohnte Winfrey bei den Grosseltern, in ihrer Kindheit musste sie Armut und sexuellen Missbrauch ertragen. Mit 14 Jahren wurde sie schwanger, ihr frühgeborenes Kind starb. Winfrey durchlebte jene Tiefen, die sie sich später von ihren Talkshow-Gästen schildern liess, in ihrer eigenen Biographie.

Ein Stipendium ermöglichte Winfrey ein Journalismus-Studium an der Universität von Tennessee. Ihre Karriere begann Anfang der 70er Jahre bei einem lokalen Fernsehsender in Baltimore, wo sie zunächst als Reporterin, dann als Moderatorin vor der Kamera stand.

Rasanter Aufstieg

Der Aufstieg zu einer nationalen Berühmtheit begann mit ihrem Wechsel nach Chicago 1984. Dort übernahm sie im Lokalprogramm eine morgendliche Talkshow, die sie binnen weniger Monate zu Spitzenquoten führte.

Am 8. September 1986 wurde «The Oprah Winfrey Show» auf dem Sender ABC erstmals landesweit ausgestrahlt, seitdem liefen mehr als 4500 Folgen. Zuletzt schalteten jede Woche geschätzte 40 Millionen Menschen in den USA ein.

Das Medienimperium der Oprah Winfrey

Um ihre Talkshow baute Winfrey ein Medienimperium auf. Sie hat eine eigene Produktionsfirma, katapultiert Bücher mit Empfehlungen in «Oprah's Book Club» regelmässig auf die Bestsellerlisten und bringt eine Zeitschrift heraus - ihr Foto schmückt die Titelseite jeder Ausgabe.

Das US-Magazin «Forbes» schätzt ihr Vermögen auf 2,7 Milliarden Dollar. Winfrey-Biographin Kitty Kelley nennt die Talkshow-Queen eine «einzigartige amerikanische Persönlichkeit, die der Gesellschaft einen unlöschbaren Stempel aufgedrückt hat».

Seit Jahresbeginn läuft ihr eigener Sender, der Zuschauerinnen rund um die Uhr die volle Oprah-Dosis bieten soll. Der Schritt von der grossen TV-Bühne in die Nischen des Kabelnetzes ist aber nicht ohne Risiko.

«Gemeinsam gelacht und geweint»

Als erste Talkshow-Grösse hat Winfrey nun einen ganzen Sender übernommen, der sich passenderweise OWN abkürzt, also «besitzen». Etwa 80 Millionen Haushalte können das Oprah Winfrey Network empfangen, die Shows über Gesundheit, Geld, Psychologie und Kochen richten sich vor allem an Frauen.

Experten sind aber skeptisch, ob auch der Sender ein Erfolg wird. «Oprah hat einen starken Namen, aber es ist wirklich schwer, die Fernsehgewohnheiten der Menschen zu ändern und sie an einen neuen Sender zu gewöhnen», sagt Derek Baine von der Medien-Beratungsfirma SNL Kagan.

Die Einschaltquoten von OWN sind bislang eher enttäuschend, bei den Oprah-Fans überwiegt offenbar noch die Trauer über das Ende ihrer Talk-Sendung. Eine Frau schrieb ins Gästebuch von Winfreys Internetseite, sie fühle sich, als ob eine gute Freundin wegziehe. «Wir haben gemeinsam gelacht und geweint und glückliche, ängstliche und so viele andere Momente miteinander geteilt.»

SDA/phz

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