«Simpsons» schauen ist Gewissensfrage

Der englische Guerilla-Künstler Banksy hat ein kritisches Intro zur TV-Serie «Die Simpsons» verfasst. Die Animatoren weigerten sich erst, die Sequenz zu produzieren.

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Zuerst scheint im Intro alles normal. Dann aber macht sich Banksys Handschrift bemerkbar – im wahrsten Sinne des Wortes: Sein Tag als Streetartist ist auf Gebäuden und Plakaten in Springfield zu sehen. Und Bart muss als Strafe die Worte «Ich darf nicht auf Mauern schreiben» auf die Wandtafel schreiben.

So weit so harmlos. Doch danach gleitet das Intro für eine Minute in eine Sequenz ab, die Banksys subversivem Ruf alle Ehre macht. Wir sehen geschundene Arbeiter eines ausbeuterischen Betriebs in Asien, wie sie allerlei Merchandise-Artikel für die «Simpsons»-Sendung produzieren. Das ist selbstkritisch und witzig zugleich, weil in bester «Simpsons»-Manier überzogen: Bart-Puppen etwa werden mit Fell von Kätzchen gestopft. Und DVDs mit dem Horn eines lebenden Einhorns gestanzt.

Machtwort

Dass die «Simpsons»-Macher dem Beitrag zugestimmt haben, erstaunt. Offenbar bedurfte es denn auch eines Machtworts von Serien-Gründer Matt Groening, nachdem einige Animatoren sich geweigert hatten, Banksys Intro zu produzieren. Inzwischen ist die Episode namens «MoneyBart» samt umstrittenen Intros in Amerika am Fernsehen gezeigt worden.

Mit dem Engländer Banksy hatten die Amerikaner schon einmal ihre liebe Mühe. 2006 schmuggelte er eine lebensgrosse, aufblasbare Puppe ins Disneyland, die orange gekleidet und mit Handschellen gefesselt war. Er platzierte sie neben die Achterbahn, so dass die Fahrenden für ein paar Sekunden den Eindruck hatten, dass ein Guantánamo-Häftling neben die Gleise gekettet worden war.

phz

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