Dann bekam er rote Ohren

Dani Fohrler verlässt das Fernsehen. Der Moderator hatte grosse Momente. Nicht immer gewollt.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

«Wönder luege?», fragt der dünne Junge. Da zeigt er auch schon die rechte Schulter: «Pistoleschuss.» Linke Schulter: «Bombesplitter.» Der Junge betont: «Ich han alles erläbt.»

Vielleicht hat der Junge sogar recht. Aber Dani Fohrler ist längst nur noch genervt. Eine Horde pubertärer Wichtigtuer hat seine Sendung gekapert, seine erste grosse Show. Fohrlers Bemühung um Ordnung – «Du, also jetz isch fertig!» – geht unter im Gejohle der Problemkids, die sich gegenseitig fertigmachen, und den Moderator im roten Pulli gleich mit.

Das war «Fohrler Live» anno 2001, Fohrler war damals Angestellter des Privatsenders TV3. Auf Youtube sind Schnipsel der besagten Sendung «Jugend und Gewalt – ich schlage zu!» der Renner. Über eine Million Klicks erzielen die diversen Videos dazu, massig Likes. «Immer no 42 Minute puuri Unterhaltig», jubelt ein User. Bis heute wird Fohrler auf die Sendung angesprochen.

Das war Fohrlers berühmteste Sendung. Quelle: Youtube

Nun verlässt der 51-Jährige das Fernsehen. Letzte Station war die Promi-Sendung «Glanz & Gloria». Die liebste Voodoo-Puppe der SRG-Kritiker wird gerade verkleinert, ganz abgeschafft wird dabei Fohrlers Talk. «Es war eine wunderbare Zeit, die ich mit der Neuausrichtung jetzt abschliessen will», sagt Fohrler in der «Schweizer Illustrierten».

In Erinnerung bleibt der Solothurner – die Vornamen Daniel Walther jovial zum «Dani» verknappt – als einfühlsamer Befrager. Wie er seinen Kopf geduldig zur Seite neigt, auch wenn das Gegenüber Unsinn redet. In dessen Nachfragen öfters Bewunderung für die Gesprächspartner mitschwingt. Und der durchaus Verständnis hat für die eine oder andere Marotte. Beim Moderieren gebe es noch etwas anderes als nur Wörter, sagte Fohrler einmal: «Eine Energie, die man spürt.»

Aufmerksamkeitsökonomie

Andererseits wurde der Moderator mehrmals zum Statisten, als das TV eskalierte, wie nur TV eskalieren kann. In «Jugend und Gewalt – ich schlage zu!», als Stichwortgeber der Exhibitionisten von «Big Brother», die schon mal vor laufender Kamera zusammenbrachen. Zuletzt im Studio von «Glanz & Gloria», als Irina Beller seine Fragen als «langweilig» bezeichnete – später nannte sie ihn auch: «Clown» sowie: «Berner» – und über zu warmen Champagner klagte. Fohrlers Ohren liefen rot an, ein altes Problem. Deshalb würden sie vor den Sendungen jeweils dick mit Make-up abgedeckt, verriet er einmal.

Fohrler war wütend: «Aber Irina Beller!» Derweil fläzte sich die Bling-Bling-Dame auf dem Sofa und erteilte Anschauungsunterricht in Aufmerksamkeitsökonomie. «Wir sind für das Business ein perfektes Paar», sagte Beller danach über ihre Beziehung zu Fohrler. Wer heute an Beller denkt, denkt auch an Fohrler. Und umgekehrt.

Abtritt mit Aeschbacher

Ums Jahr 2000 galt Dani Fohrler als der nächste Kurt Aeschbacher. Die ganz grosse Samstagabendkiste, der prominent programmierte Talk: Das schien nur eine Frage der Zeit. Der Übergang vom gecrashten TV3 zur soliden SRG gelang problemlos. Fohrler versuchte sich am Leutschenbach als Quizmaster und Reisejournalist und Moderator der Mister-Schweiz-Wahlen, die Jahre vergingen. Und die alte Garde blieb sitzen auf den besten Sendeplätzen. Nun treten Fohrler und Aeschbacher gleichzeitig ab, Ende 2018.

Künftig wird Dani Fohrler noch in den Radiosendungen «Persönlich» und «Treffpunkt» zu hören sein. Am liebsten möge Fohrler, erklärt die Website des Radios, «Live-Interviews mit Überraschungen».

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