Buddha sitzt auf der Festplatte

Das Silicon Valley zieht brillante Informatiker und milliardenschwere Investoren an, aber auch viele Esoteriker und Hochstapler. Eine TV-Serie macht nun einen Heidenspass daraus.

«Mache die Welt zu einem besseren Ort»: Der Trip des Informatikers Bachmann.
Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Für viele Fans wars die beste Szene der ersten Staffel: Informatiker Erlich Bachmann fährt mit psychoaktiven Pilzen im Gepäck in die kalifornische Wüste; er sucht dort nach dem ultimativen Namen für sein neues Start-up. Bachmann kommt auf den Trip, die Logos von Google, Facebook, Twitter und anderer Digitalgrössen umschwirren ihn. Ein Name fällt ihm zwar nicht ein – dafür ein Slogan, der sich als Mantra in seinem Kopf festsetzt: «Making the World a Better Place.»

Bachmann, seine nerdigen Buddies und ihre gemeinsame IT-Bude stehen im Zentrum der HBO-Produktion «Silicon Valley», deren zweite Staffel diese Woche begonnen hat. Die Serie macht sich lustig über die Esoterik und das Weltverbesserungspathos, die das namensgebende kalifornische Tal seit längerem schon umwabern. In den 50ern und 60ern pilgerten die Beatniks hierher; die Hippies gründeten Kommunen, um mit politischen Theorien, Drogen und fernöstlichen Religionen zu experimentieren.

Das beeindruckte die Pioniere des Informationszeitalters: Apple-Gründer Steve Jobs etwa vertiefte sich in den Zen-Buddhismus und sagte: «LSD zu nehmen, war eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens.» Philosoph Robert Pirsig erklärte in seinem Kultbuch «Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten», dass Buddha «in den Schaltungen eines Digitalrechners» genauso bequem wohne wie im Kelch einer Blüte.

Der bucklige Yogi ist immer dabei

Die zu Giganten gewachsenen IT-Konzerne bewirtschaften diese esoterische Tradition heute mit grossem Aufwand. Google finanziert an seinem kalifornischen Hauptsitz ein eigenes Institut für spirituelle Lehren («Search Inside Yourself»); Facebook rekrutierte Buddhismus-Experten aus den nahen Elite-Unis Berkeley und Stanford, um die Benutzerführung des sozialen Netzwerks empathischer zu gestalten. Am Kongress Wisdom 2.0 nehmen jährlich fast 2000 Manager und Informatiker teil, um sich über «tiefere Weisheiten, Mitgefühl und Bewusstsein im digitalen Zeitalter» (so der Selbstbeschrieb der Veranstaltung) unterrichten zu lassen. Eine Scharade, die «Silicon Valley» genüsslich entlarvt: eine der Hauptfiguren wird permanent von einem buckligen Yogi begleitet, der jede Banalität zum Aphorismus hochschwurbelt.

Wandten sich die Hippies (und wohl auch Steve Jobs) der Meditation zu, um Weltzusammenhänge und sich selbst zu ergründen, so wird sie heute in ökonomische Dienste gestellt: neue Geschäftsideen müssen her, «the next big thing». Dass Innovation und Inspiration jedoch verflixt flüchtige Geister bleiben, derer man allen Bemühungen zum Trotz nicht dauerhaft habhaft wird, macht den satirischen Reiz von «Silicon Valley» aus; die konkurrierenden Talbewohner sehen sich im Film (wie in Realität) zu ständig neuen Verrücktheiten und Spinnereien gezwungen.

Wie sagt Erlich Bachmann doch? «Ich finde nicht den Namen, der Name findet mich!» Dann setzt er sich in den Truck – grimmig entschlossen, sich finden zu lassen.

baz.ch/Newsnet

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