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Eine psychedelische Eminenz

Zum Tod des Musikers Joël Vandroogenbroeck, Gründungsmitglied der Experimentalband Brainticket.

International berühmt war Vandroogenbroeck für die psychedelisch-psychotische Musik seines langjährigen Bandprojekts Brainticket.
International berühmt war Vandroogenbroeck für die psychedelisch-psychotische Musik seines langjährigen Bandprojekts Brainticket.
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Am 23. Dezember verstarb Joël Vandroogenbroeck im Alter von 81 Jahren bei Arlesheim. Seine lange Karriere hatte viele Etappen. Nach den Anfängen als ­Jazz- und Unterhaltungsmusiker arbeitete der klassisch geschulte Pianist als Komponist und Arrangeur für die Plattenfirma RCA in Rom, später setzte er sich in Bali mit traditioneller indonesischer Musik auseinander und machte Mexiko zu seiner zweiten Heimat.

Ende der 1960er-Jahre zog Vandroogenbroeck nach Basel, um Theatermusik zu schreiben. Danach arbeitete der 1938 in Brüssel geborene Eklektiker, Esoteriker und Weltbürger mit vielen Schweizer Kunst- und Jazzgrössen wie H. R. Giger, Bruno Spoerri, Oscar Klein und Andy Scherrer zusammen. International berühmt war Vandroogenbroeck aber für die psychedelisch-psychotische Musik seines langjährigen Bandprojekts Brainticket.

Mit Ron Bryer (Gitarre) und Wolfgang Paap (Schlagzeug) gründete Vandroogenbroeck die Band, die zwischen 1968 und 1982 in wechselnden Besetzungen und unregelmässigen Zeitabständen neue Alben veröffentlichte.

Die Warnbotschaften

Schon das Debüt von Brain­ticket sorgte für Aufregung, wurde der Verkauf von «Cottonwoodhill» (1971) doch in einigen Ländern verboten. Zum angeblich jugendgefährdenden Status des Werks hatten wohl die Warnbotschaften beigetragen, die die Plattenfirma ohne Vandroogenbroecks Einwilligung auf die ­LP-Hülle geklatscht hatte. Diese machten potenzielle Konsumenten auf die angeblich realitätsverdrängende Wirkung von Braintickets dichtem Mix aus Krautrock, Sound-Effekten und Free Jazz hin.

Nach der ersten Bandauf­lösung realisierte Vandroogenbroeck zahlreiche eigene Chor-, Ballett- und Multimedia-Projekte, in den 00er-Jahren konnte er sich über ein steigendes Interesse an Braintickets musikalischem Nachlass erfreuen. Dieses wusste Vandroogenbroeck mit Neuveröffentlichungen, Retrospektiven und auch Wiedervereinigungen zu bedienen: 2011 gaben Brainticket ihr allererstes Konzert in den USA. Der Ruf dieser Band, einst jugendgefährdende Musik gespielt zu haben, erstaunt heute. Er weckt aber auch die Neugier am weiten Œuvre von Joël Vandroogenbroeck.

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