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«Ein Song ist wie ein Zauberspruch»

Jazz Alex Hendriksen ist der wohl arbeitsamste Exponent der Basler Jazz-Szene. Diese ist aus seiner Sicht lebendiger als auch schon – nicht zuletzt im Vergleich mit Zürich.

Musste sich nie um einen Musikjob bewerben: der Basler Jazz-Saxofonist Alex Hendriksen. Foto: René Mosele
Musste sich nie um einen Musikjob bewerben: der Basler Jazz-Saxofonist Alex Hendriksen. Foto: René Mosele

Am Blues Festival Basel war Alex Hendriksen mit der Jazz-Veteranin Othella Dallas zu sehen, diesen Sommer tourt der aus Schönenbuch stammende Saxofonist mit der Berner Mundart-Band Patent Ochsner. Nebenbei schreibt er Arrangements für Guggemuusigen und unterrichtet in seinem Atelier im Lohnhof. Alex Hendriksens besondere Qualitäten als Improvisator kommen allerdings erst im Duo mit dem Bassisten Fabian Gisler zur vollen Geltung. Nicht umsonst zählt dieser Schreiber ihr gemeinsames Konzert 2013 in der Peterskirche zu seinen persönlichen Konzertfavoriten.

Herr Hendriksen, lassen Sie mich provokativ beginnen: Ist Basel wirklich die Jazzstadt, für die sie sich hält?

Basel brodelt heute sicher mehr als auch schon. Das liegt nicht zuletzt am Jazzcampus, der sich international einen Namen erarbeitet hat und so zum Mekka für Studierende und Dozierende geworden ist. Basel ist aber nicht die einzige Schweizer Stadt, die einen solchen Campus hat: Auch Zürich bietet angehenden Jazzmusikern gute Lehrmöglichkeiten. Es ist schon ironisch, dass die Städte einander mit ihren Jazzschulen zu überbieten versuchen, wo es aufgrund der fehlenden Auftrittsmöglichkeiten für Jazz kaum einen Markt gibt.

Auf der Hochschulebene wird die Musikerziehung forciert. Dafür wird sie an anderer Stelle zurückgefahren – weltweit.

Wenn man die Hochschulen schon grosszügig unterstützt, sollte man konsequenterweise die Musikerziehung auch auf der Sekundarstufe fördern – und als Pflichtfach mit sechs Stunden die Woche etablieren. Es ist neurologisch erwiesen, welche positive Wirkung Instrumentalunterricht und Rhythmik auf das Gehirn von Kindern haben. Dadurch wird ihre Kreativität und auch ihre Sozialkompetenz gefördert: zwei Eigenschaften, die die Kinder in einer von Robotik und künstlicher Intelligenz geprägten Zukunft nötig haben werden.

Als Absolvent der Jazzschule Basel haben Sie selber vom Bildungsangebot im Kanton profitiert.

Hätte es den Jazzcampus damals schon gegeben, hätte ich nicht nach Boston reisen müssen, um am Berklee College of Music zu studieren. Nach meinem Abschluss bin ich gleich nach Basel zurückgekehrt. Die Alternative wäre ein Umzug nach New York gewesen. Nur war mir diese Stadt schlicht zu hart. Und die Lebensqualität hier in Basel einfach zu hoch. Wäre ich damals in New York geblieben, hätte ich kaum eine Familie durchbringen können.

Sie sind der Inbegriff des «working musician», der keine Spielgelegenheit ungenutzt verstreichen lässt. Hatten Sie es schwer, an Jobs heranzukommen, weil Sie nicht in einer Metropole wie New York leben?

Überhaupt nicht. Und ich habe mich auch nie um Jobs bewerben müssen. Nach meiner Rückkehr aus Boston ist es einfach immer weitergegangen. Ich bin eh viel zu chaotisch, um ein guter Netzwerker zu sein, der seinen Kontakten jedes Jahr zum Geburtstag gratuliert oder laufend Fotos und Videos von sich postet. Viel lieber halte ich mich durch Begegnungen mit Menschen aus Fleisch und Blut in Erinnerung.

2008 haben Sie für den Michael-Jackson-Produzenten Quincy Jones gespielt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Pepe Lienhard, der mich aus seiner Military Big Band kannte, hatte mich angefragt, ob ich bei den Konzerten zu Ehren von Quincys 75. Geburtstag mitmachen wolle. Ich war anfänglich ziemlich nervös, weil Quincy einige der grossartigen Musiker mit nach Montreux gebracht hatte, die schon auf «Thriller» mitgespielt hatten. Weil wir Bläser gut auf die Proben vorbereitet waren, konnten wir uns deren Respekt schnell erspielen. Als Quincy schliesslich zu uns stiess, hat aber kein Knochen verstanden, was er da vor sich hin dirigiert. Darum haben wir Musiker uns darauf verständigt, um ihn herum zu spielen, anstatt seinen wirren Anweisungen zu folgen.

Einer ihrer regelmässigen Chefs ist der Aargauer Soul-Sänger Seven. Wie hat er Ihr Spiel beeinflusst?

In Sevens Band habe ich gelernt, mich so einzubringen, wie es für den Song am besten ist. Ein Popmusiker muss sich sehr genau überlegen, wie er seine Stücke aufbaut: Popsongs sind nämlich wie Zaubersprüche, die korrekt ausgesprochen werden müssen, damit sie ihre ganze Wirkung entfalten. Ich versuche dies in meine eigenen Projekte herüberzuretten. Das bedeutet, dass ich mein Ego aussen vor lasse und die Stücke nicht mit spielerischen Tücken überfrachte.

Dieser Ansatz passt gut zur heutigen Zeit. Schliesslich sind die Grenzen zwischen Pop und Jazz so fliessend wie seit der Swing-Ära nicht mehr.

Jazz ist längst nicht mehr gleichbedeutend mit einer improvisierten Kunstmusik. Heute steht der Begriff für eine zeitgenössische Musik mit improvisierten Elementen. Dazu kommt die Tatsache, dass man in den Begleitbands der ganz grossen Pop-Acts lauter Jazzmusiker antrifft.

Dorfkirche, Riehen. Kirchplatz 20. Freitag, 10. Mai., 20.15 Uhr. www.offbeat-concert.ch

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