Wo Journalisten Maulkörbe tragen

Die Organisation Reporter ohne Grenzen stellt ihr jährliches Ranking zur Pressefreiheit vor. Norwegen belegt Platz 1 - und die Schweiz? Die Rangliste.

Hier ist die Pressefreiheit inexistent: Nordkoreanisches Fernsehen.

Hier ist die Pressefreiheit inexistent: Nordkoreanisches Fernsehen.

Im vergangenen Jahr hat sich die Lage für Journalisten und Medien weltweit verschlechtert. Das geht aus der Rangliste der Pressefreiheit 2017 hervor, die die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) an diesem Mittwoch veröffentlicht. «Besonders erschreckend ist, dass auch Demokratien immer stärker unabhängige Medien und Journalisten einschränken, statt die Pressefreiheit als Grundwert hochzuhalten», so ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske.

In den USA (Rang 43) hat die Verfolgung von Investigativjournalisten und Whistleblowern zugenommen; in Polen (Rang 54) die nationalkonservative Regierung das öffentliche Fernsehen unter ihre Kontrolle gebracht. Auch in Frankreich (Rang 39) seien Journalisten im Wahlkampf von Politikern verbal angegriffen worden. Grossbritannien schneidet mit dem 40. Rang noch schlechter ab. Das Land galt lange Zeit als Musterbeispiel der Pressefreiheit. Durch die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden wurde jedoch bekannt, dass der britische Geheimdienst GCHQ jahrelang Journalisten ausgespäht hat. Im August 2013 wurden Mitarbeiter der Tageszeitung «The Guardian» gezwungen, Festplatten mit brisantem Material der Snowden-Enthüllungen zu zerstören.

Kellerduell zwischen Nordkorea und Eritrea

Die Türkei hat sich innerhalb der vergangenen 12 Jahre um 57 Plätze auf der Rangliste verschlechtert und landet in diesem Jahr auf Rang 155 von 180: die Repression gegen Journalisten und Medien habe seit dem Putschversuch im Juli 2016 ein nie gekanntes Ausmass erreicht. Auf dem letzten Platz landet Nordkorea; Vorjahresverlierer Eritrea verbessert sich um einen Rang, weil 2016 einige wenige ausländische Journalisten in das Land einreisen durften.

Am oberen Ende der Liste muss Finnland zum ersten Mal seit sechs Jahren den Spitzenplatz räumen. Als einen Grund nennt ROG, dass die Finanzbehörden den öffentlich-rechtlichen Rundfunk YLE unter Androhung von Hausdurchsuchungen aufgefordert hatte, ?Material zu den Panama Papers herauszugeben. Vor Finnland steht nun Norwegen, die Schweiz wie im Vorjahr auf Platz 7.

Hier ist die ganze Rangliste.

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