Wie man einen Elefanten erkennt

Künstliche Intelligenz kann schon vieles besser als der Mensch. Aber manchmal sind Kinder cleverer.

Dieser Junge weiss sofort, was er da vor sich hat. Einer KI muss man Tausende entsprechender Bilder vorlegen. Foto: Getty Images

Dieser Junge weiss sofort, was er da vor sich hat. Einer KI muss man Tausende entsprechender Bilder vorlegen. Foto: Getty Images

Es ist heutzutage nicht mehr so leicht, als Mensch selbstbewusst durch die Welt zu gehen. Software ist uns mittlerweile auf vielen Feldern ebenbürtig oder gar überlegen, die wir bis vor Kurzem noch als exklusiv menschlich beanspruchten. Das reicht von Disziplinen, die schon lange verloren gegangen sind (wie etwa Schach), hin zu neueren Verlustschlachten wie etwa Komposition oder Malerei.

Vor Kurzem folgte der nächste intellektuelle Tiefschlag: Ein Algorithmus des chinesischen Internet-Konzerns Alibaba hat einen neuen Rekord für Textverständnis aufgestellt – und auch hier den Menschen hinter sich gelassen.

Der Test besteht darin, echte Fragen, die Nutzer an Microsofts Suchmaschine stellen, zu beantworten. Gefragt wird etwa: «Was ist ein Unternehmen?», «Reihenfolge der grössten Städte in Illinois» oder «Wie viele Kohlenhydrate hat Spargel?» Millionen solcher Dringlichkeiten sind in der «Microsoft Machine Reading Comprehension»-Datenbank gespeichert. Das KI-Modell erreichte einen Wert von 0,54 und schlägt damit die beste menschliche Punktzahl. Wenn auch nur knapp, der menschliche Wert liegt bei 0,539.

Logisches Denken beibringen

Das hinderte besorgte Medien freilich nicht daran zu fragen, ob die Maschinen nun schlauer geworden seien als wir Menschen. Und wann sie uns die Arbeit wegnehmen und uns auch anderweitig unterjochen. Die Antworten lauten natürlich: Nein, sind sie nicht, werden sie nicht.

Selbst wenn die KI eine bessere Punktzahl erreicht, bedeutet das nicht, dass sie versteht, was sie da beantwortet. In ihrem Inneren geht es um statistische Mustererkennung, nicht um ein Verständnis der Wörter. Selbst Li Suo, der Chefentwickler, gibt zu, dass «Maschinen das logische Denken fehlt. Das unterscheidet sie davon, wie Menschen Sprache nutzen.»

Genau darüber, Maschinen logisches Denken beizubringen, macht sich seit einiger Zeit Yann LeCun Gedanken. Er ist Chef der KI-Forschung bei Facebook. Und er glaubt, dass eine Revolution der künstlichen Intelligenz erst dann möglich wird, wenn die Maschinen keine menschliche Anleitung mehr benötigen.

Selbst wenn Software mittlerweile besser Bilder oder Sprache erkennt als Menschen, braucht sie, bis es so weit ist, unendlich viele Anläufe. Um einen Elefanten sicher zu identifizieren, muss man einer künstlichen Intelligenz Tausende Bilder von Elefanten vorlegen, die entsprechend markiert sind. Jedem Kleinkind reichen dagegen zwei Beispiele, dann ist die Sache geklärt.

Gesunder Menschenverstand für Maschinen

Ähnlich funktioniert es im Bereich des autonomen Fahrens. Einem Teenager reichen 30 Fahrstunden, um halbwegs sicher unterwegs zu sein. Selbstfahrende Autos spulen Millionen Kilometer ab und sind immer noch nicht verkehrssicher.

Was den Maschinen abgeht, ist ein grundsätzliches Verständnis von Realität, so wie es Menschen in ihrer frühen Kindheit entwickeln. Eine mögliche Lösung sieht LeCun in einer Technik namens «Unsupervised Learning». Anders als bei den am häufigsten verwendeten Methoden, die entweder mit Belohnungseffekten arbeiten oder mit menschlicher Vorarbeit, zieht die künstliche Intelligenz in diesem Fall Muster aus bestehenden Daten. Sie erschliesst sich die Welt aus sich selbst heraus.

Maschinelles Lernen müsse das menschliche Vorbild nachahmen, so LeCun. Unsupervised Learning könne helfen, ein Modell der Welt zu imaginieren, mit dem Vorhersagen zu ihrem künftigen Zustand möglich wären. Mit anderen Worten, es würde ihnen gesunden Menschenverstand verleihen.

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