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Warum wir bei Kriegen nicht einfach zusehen dürfen

Denkstoff für die Sommerpause: In unserer neuen Serie diskutieren Philosophen über den Begriff der Menschenwürde. Diskutieren Sie mit!

Werbung für internationale Einsätze: Schweizer Soldaten vor der UNO-Blauhelm-Abstimmung. (30. Mai 1994)
Werbung für internationale Einsätze: Schweizer Soldaten vor der UNO-Blauhelm-Abstimmung. (30. Mai 1994)
Keystone

Menschenwürde und historische ErfahrungRolf Zimmermann

Seit dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft und dem Menschheitsverbrechen des Holocaust ist der Begriff der Menschenwürde zu einem Ankerbegriff für die humane Grundorientierung im Zusammenleben von Menschen geworden. Der Holocaust hat gezeigt, dass die Einheit der menschlichen Gattung, aus der die Juden ausgeschlossen wurden, grundsätzlich bezweifelt werden kann. Diesen Tatbestand habe ich durch meine Begriffsprägung «Gattungsbruch» zum Ausdruck gebracht und dafür plädiert, tiefgreifenden moralischen Veränderungen durch eine Philosophie der historischen Erfahrung Rechnung zu tragen. Die Erfahrungen von Unmenschlichkeit, die mit dem Nationalsozialismus einhergehen, haben ihren Niederschlag in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 gefunden, die bereits in ihrer Präambel die Anerkennung der «angeborenen Würde und der gleichen und unveräusserlichen Rechte» aller Menschen unterstreicht und auf «Akte der Barbarei», die aus «Verachtung der Menschenrechte» geschehen seien, Bezug nimmt.

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