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Vollpfosten und Ausrufezeichen

In unserer Serie «Lässige Sünden» beichten Redaktion Tamedia-Journalisten Kultursünden. Heute: Die Kolumne «Glogger mailt».

Ich könnte sagen, ich lese den «Blick am Abend» aus professionellem Interesse. Aber das stimmt nur bedingt. Eigentlich lese ich ihn wegen seines geschwätzigen Inhalts, der nach einem Tag Arbeit genau die richtige Entspannung ist für einen ausgelaugten Kopf. Und dann gibt es da die Kolumne «Glogger mailt». Die lese ich immer. Weil sie mich fassungslos macht. Und weil ich herausfinden muss, ob sie das Resultat grenzenloser Unbedarftheit ist. Oder eine geniale Kunstperformance. Sicher ist «Glogger mailt» der Text mit dem höchsten denkbaren Nonsens-Faktor überhaupt, vorgetragen im Duktus der biederen Empörung. Um so was schreiben zu können, muss man angstfrei sein. Völlig losgelöst. Oder benebelt.

Und so schaue ich mir jeden Abend mit Vergnügen an, was Glogger heute wieder fabriziert hat. Und wie er es bringt. Seine kuriosen Gedankengänge kleidet er am liebsten in Drei-Wort-Sätze, was das Verständnis nicht gerade befördert. Aber das ist egal, wer interessiert sich schon für Logik? Gefühl muss es sein! Der Mann ist ein Virtuose der Ausrufezeichen, der Wortneuschöpfungen und Bindestriche. Und wenn sein Temperament mit ihm durchgeht, umso besser! Man muss Gloggers Kolumne als Pendant zum Solo eines Jazz-Saxofonisten lesen. Wenn die richtig loslegen, versteht ja auch kein Schwein, worum es geht.

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