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Österreichs Medienzar Hans Dichand gestorben

Der einflussreichste und mächtigste Medienmogul Österreichs, Hans Dichand, ist tot. Die Kampagnen und der Einfluss des «Kronen Zeitung»-Herausgebers auf die Politik waren legendär.

Schuf einen der reichweitenstärksten Tagestitel der Welt: Hans Dichand.
Schuf einen der reichweitenstärksten Tagestitel der Welt: Hans Dichand.
Keystone

Nach kurzer Krankheit starb der Herausgeber der «Kronen Zeitung» am Donnerstag im Alter von 89 Jahren in einem Wiener Spital. Er sei vor einer Woche von der Redaktion aus in eine Klinik gebracht worden, heisst es auf der Homepage der «Kronen Zeitung». Dichand hatte die kleinformatige Zeitung in den vergangenen 51 Jahren zum auflagenstärksten Blatt seines Heimatlandes aufgebaut und als passionierter - wenn auch sehr umstrittener - Journalist noch bis zuletzt selbst regelmässig Kommentare verfasst.

Legendär sind seine Kampagnen sowie sein Einfluss auf die politische Landschaft Österreichs. Er galt als einer der begnadetsten, aber auch umstrittensten Blattmacher des Landes. Die verkaufte Auflage der «Krone», wie die Zeitung genannt wird, liegt heute bei 818'154. Zum Vergleich: Der «Blick» kommt in der Schweiz nur auf eine Auflage von 214'000 (2009). Gemessen an der Einwohnerzahl zählt die «Kronen Zeitung» mit einer Reichweite von 40,4 Prozent zu einem der reichweitenstärksten Tagestitel weltweit.

Bundeskanzler Werner Faymann würdigte den gebürtigen Grazer als «begnadeten Blattmacher und Journalisten, der im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte geschrieben hat». Dichand hatte die Kanzlerschaftskandidatur seines «Ziehsohns» Faymann 2008 durch eine Medienkampagne unterstützt. Überhaupt mischte der Medien-Millionär und Paris-Fan stets gerne in der Politik mit und betrieb manchmal sogar mediale Feldzüge gegen Politiker, die seine Gunst verloren hatten.

Zügel fest in der Hand

«Auch wenn es manchmal grundlegende Unterschiede in der Bewertung politischer Zusammenhänge gab, hat sich gezeigt, dass Hans Dichand wie kein anderer ein Gespür für die Themen und die Stimmungen der Bevölkerung gehabt hat», betonte Vize-Kanzler Josef Pröll. Der Chef der rechtspopulistischen FPÖ, Hans-Christian Strache, erklärte, Dichand habe das Land geprägt wie kaum ein anderer.

In den 80er Jahren stieg die deutsche WAZ-Gruppe (»Westdeutsche Allgemeine Zeitung») in die «Kronen Zeitung ein» und hält seitdem die Hälfte der Anteile. Dichand hielt aber die Zügel seiner Gazette fest in der Hand.

Sprachrohr für Umwelt

«Sein besonderes Gespür für politische Entwicklungen und die Meinung der Menschen quer durch unser Land, machten ihn zu einem der ganz Grossen der Medienszene», sagte Wiens Bürgermeister Michael Häupl als Reaktion auf die Nachricht vom Tod des erklärten Tierfreundes, der auch gerne Fotos von Vierbeinern in seinem Blatt veröffentlichte. Der Umweltverband WWF betonte: «Österreichs Umwelt verliert ihr wichtigstes Sprachrohr.» Dichand sei einer der grössten und wirkungsvollsten Naturschützer des Landes gewesen.

Neben seiner journalistischen Leidenschaft war der am 29. Januar 1921 geborene Dichand auch ein begeisterter Kunstsammler. Unter anderem gehören Werke von Schiele, Klimt und Kubin zu seinem Besitz. Der gelernte Buchdrucker und spätere Matrose bei der Kriegsmarine hinterlässt seine Ehefrau Helga sowie zwei Söhne, eine Tochter und drei Enkel. Sein heute 45-jähriger Sohn Christoph ist seit 2003 der Chefredaktor der «Kronen Zeitung».

SDA/rb

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