Zum Hauptinhalt springen

«Nicht besonders gelungen»

Das erste offizielle Porträt von Kate Middleton sorgte für Irritation – weil es die Herzogin alt und grau zeigt. Geschichtsprofessor Bernd Roeck gibt Auskunft über Funktion, Wandel und Wirkung von Herrscherporträts.

Sorgte für Aufruhr: Das Porträt von Kate Middleton gefällt den meisten Briten gar nicht. Sie wünschen sich eine Herzogin ohne Augenringe. Der Künstler Paul Emsley versicherte jedoch, dass das Model sehr zufrieden sei mit seinem Werk. (11. Januar 2013)
Sorgte für Aufruhr: Das Porträt von Kate Middleton gefällt den meisten Briten gar nicht. Sie wünschen sich eine Herzogin ohne Augenringe. Der Künstler Paul Emsley versicherte jedoch, dass das Model sehr zufrieden sei mit seinem Werk. (11. Januar 2013)
Sang Tan, Keystone
Ist amused: Queen Elisabeth findet ihr Selbstbildnis offensichtlich gelungen. (11. Oktober 2010)
Ist amused: Queen Elisabeth findet ihr Selbstbildnis offensichtlich gelungen. (11. Oktober 2010)
Arthur Edwards, Reuters
Kränklicher Volkstribun: Christoph Blocher präsentiert an seinem Wohnsitz das für die Ahnengalerie bestimmte Porträt. Auf dem Bild des Künstlers Karl Landolt wirkt der Alt-Bundesrat erstaunlich undynamisch und fast schon zerbrechlich.
Kränklicher Volkstribun: Christoph Blocher präsentiert an seinem Wohnsitz das für die Ahnengalerie bestimmte Porträt. Auf dem Bild des Künstlers Karl Landolt wirkt der Alt-Bundesrat erstaunlich undynamisch und fast schon zerbrechlich.
Walter Bieri, Keystone
1 / 7

Herr Roeck, was halten Sie vom Porträt von Herzogin Kate, das am Wochenende in der National Portrait Gallery enthüllt wurde? Ich finde es nicht besonders gelungen. Sie sieht in Wirklichkeit hübscher aus. (lacht)

Kate Middleton, der das Bild offenbar gefiel, wollte natürlich rüberkommen und nicht als Herzogin. War das früher nicht gerade umgekehrt bei solchen Bildern? Genau. Sehr lange wurden Männer und Frauen auf Herrscherporträts im Profil gezeigt – vermutlich, weil durch die Ähnlichkeit mit antiken Medaillen und Münzen die Würde des Dargestellten gesteigert werden sollte. En-face-Porträts, wie wir es hier vor uns haben, sind eine spätere Entwicklung. Was aber auf jeden Fall zum Ausdruck kommen muss bei Porträts von Königinnen und künftigen Herrschern, ist die Gravitas, also die Ernsthaftigkeit und damit die Bedeutung und Würde der Person. Sie werden in vormodernen Zeiten kaum eine lächelnde Herrscherin finden. Das ist an dem Porträt auch ungewöhnlich – nicht für heute, das machen ja fast alle – aber früher gab es keine lächelnden Könige, Dogen, Päpste.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.