Marignano, Berner Art

Vor 500 Jahren opferte sich die Schweiz auf dem Altar der Neutralität. Wobei ... nicht ganz.

Zogen sich bei Marignano unbeschadet aus der Affäre: Die Berner. (Illustration: Marc Fehr)

Zogen sich bei Marignano unbeschadet aus der Affäre: Die Berner. (Illustration: Marc Fehr)

Am 13. September 1515 begann die Schlacht von Marignano. Sie werden mittlerweile davon gehört haben. Die ganze Schweiz knüppelte und stach, grochzte dann und schickte sich in eine grandiose Niederlage gegen den Franzosenkönig. Hodler malte später ein Bild dazu.

Die ganze Schweiz war dabei und lernte ihre schmerzliche Lektion für eine halbe Ewigkeit. Die ganze Schweiz? Nein! Die Romandie, wie wir sie kennen, gabs damals nicht, das geht schon mal vergessen, ebenso wenig das Tessin. Ausserdem, und das muss vor dem grossen Feiertag unbedingt gesagt werden: Der neben Zürich mächtigste Kanton war nicht dabei beim grossen Gemetzel – Bern fehlte!

Das Epos «Bern und Marignano» muss noch geschrieben, sein Autor noch gefunden werden. Er müsste aus Erfahrung wissen um das defizitäre Wesen des Menschen und um die Ernüchterungen des Lebens an und für sich. Pedro Lenz wäre eine gute Wahl. «Dr Sürmu bin ig.»

Was taten die Berner also in Marignano? Nicht viel. Eigentlich nichts.

Nur ungern zogen sie gen Italien. «Nume nid gsprängt.» Als sie endlich halbbatzig parat waren, trat der Franzosenkönig mit einem freundlichen Angebot an sie heran: eine Million Kronen für den Abzug. Prima Idee, fanden die Berner. «Tschou zäme.» Im Gefolge hatten sie wie üblich die nachhöselnden Freiburger und Solothurner.

Sollte man die Neutralität nicht besser auf den 8. September datieren, jenen Tag, an dem die Berner auf den Deal mit den Franzosen eingingen? Begann damit nicht die bewährte Schweizer Tradition des Kalkulierens und Herauswindens, des Lavierens und Vermeidens? Nach der Niederlage war das Gefluche über die Berner gross. Ihnen, denen kein Landsknecht den Prügel über den Kopf ziehen musste, damit sie zur Einsicht kamen, dass dem dusseligen Mailänder Herzog nicht zu helfen war. Die Zürcher wehklagten laut und jammerten, der Walliser Kardinal Schiner hätte sie verführt.

Was der gemeine Berner dazu meinte? Er zuckte wohl die Schultern, zählte seine Taler und sagte dann: «Henusode.»

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