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«Ich brauche noch einige Tage, um meine Gefühle zu verarbeiten...»

Nach den Enthüllungen über Harvey Weinstein melden sich immer mehr Akteure zu Wort. Darunter auch Weinsteins Langzeitgefährte Tarantino.

Im Februar 2016 war die Welt noch in Ordnung: Harvey Weinstein und Quentin Tarantino an einem Festessen zu Ehren Ennio Morricones.
Im Februar 2016 war die Welt noch in Ordnung: Harvey Weinstein und Quentin Tarantino an einem Festessen zu Ehren Ennio Morricones.
Todd Williamson/Weinstein Company/Getty Images

Jeden Tag werden neue Vorwürfe gegen Harvey Weinstein erhoben. Neben Léa Seydoux haben auch Kate Beckinsale, Tippi Hedren (nicht über Weinstein, sondern über die Situation im Allgemeinen) und Quentin Tarantino (indirekt und aufschiebend) Stellung bezogen. Ihren Vorfall mit dem Hollywood-Produzenten beschreibt die französische Schauspielerin Léa Seydoux in einem Artikel im «The Guardian». An einer Fashion-Show wurde sie vom 65-Jährigen zu einem Treffen eingeladen. «Es ging nie um Arbeit. Er hatte andere Absichten – das merkte ich deutlich.»

Erhöhter Druck: Immer mehr Stars äussern sich zu den Enthüllungen über Weinstein. Video: Tamedia/Reuters

Den ganzen Abend habe er sie angeschaut wie «ein Stück Fleisch». Trotzdem akzeptierte die französische Schauspielerin die Einladung auf einen Schlummertrunk im Hotelzimmer Weinsteins. «Es ist schwierig, seine Einladungen auszuschlagen. Dafür ist er zu mächtig.» Erst als seine Assistentin das Zimmer verlassen hatte, habe er die Kontrolle verloren, sich auf sie gestürzt und versucht, sie zu küssen. Seydoux wehrte sich und verliess das Zimmer fluchtartig.

Ein Mann, der kein «Nein» akzeptiert

Seit dem Vorfall im Hotelzimmer ist Seydoux Weinstein mehrmals wieder begegnet. Als er einen Tisch in einem ausgebuchten Restaurant reservieren wollte, fing er an zu schreien: «Wissen Sie eigentlich, wer ich bin? Ich bin Harvey Weinstein!» Er sei ein Mann, der kein «Nein» akzeptiere, so Seydoux.

Seydoux findet es ekelhaft, dass alle wussten, was Weinstein vorhatte, und doch niemand etwas unternommen habe. «Es ist unglaublich, dass er sich über Jahrzehnte so verhalten und seine Karriere trotzdem weiterführen konnte. Das ist nur möglich, weil er über eine Menge Macht verfügt.» Er sei aber nicht der einzige Mann in diesem Milieu, sie sei auch von Regisseuren mehrmals unangemessen behandelt worden. Von verbalen über physische Belästigungen bis zum Regisseur, der «sehr lange Sexszenen, die Tage dauerten», drehte. «Er beobachtete uns und spielte die Szenen immer wieder in einer Art Rausch ab. Es war ekelhaft.»

Nicht nur Frauen litten unter Weinstein

Dass das Verhalten des Produzenten weder ein Einzelfall ist, noch ausschliesslich in der Unterhaltungsindustrie stattfindet, schreibt Tippi Hedren auf Twitter. Die mittlerweile 87-Jährige spielte in Alfred Hitchcocks «The Birds» und «Marnie» jeweils die Hauptrolle. «Ich hatte während meiner Model- und Filmkarriere die ganze Zeit mit sexueller Belästigung zu kämpfen.» Hitchcock sei nicht der Erste gewesen. Er habe ihr – wie Weinstein laut den Berichten einiger Schauspielerinnen – ebenfalls gedroht, ihre Karriere zu zerstören.

Die britische Schauspielerin Kate Beckinsale berichtet über Vorfälle mit Weinstein auf Instagram. Dieser habe sie bereits als 17-Jährige auf sein Hotelzimmer eingeladen und versucht, sie zu verführen. «Ich war unglaublich jung und naiv und es kam mir überhaupt nicht in den Sinn, dass dieser ältere, unattraktive Mann von mir erwarten würde, ihn sexuell anziehend zu finden.» Vorgefallen sei an diesem Abend jedoch nichts, da sie gegangen sei.

Später habe Weinstein sie immer als diejenige, «die dafür lebt, Nein zu mir zu sagen» vorgestellt. Doch nicht nur Frauen hätten unter ihm gelitten. «Ein Freund warnte aufgrund meiner Geschichte eine junge Schauspielerin vor Harvey Weinstein. Am nächsten Tag erhielt er einen Anruf, dass er nie wieder für Miramax (Weinsteins erstes Filmstudio) arbeiten werde.» Die Schauspielerin habe zu jenem Zeitpunkt bereits mit Weinstein geschlafen und ihm vom besorgten Freund erzählt.

Tarantinos Statements sind noch sehr vage

Seitdem die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein publik wurden, wartet die Welt auf ein richtiges Statement seines langjährigen Freundes Quentin Tarantino. In einigen kurzen Tweets verurteilte der Regisseur Weinsteins Handeln, «falls er denn schuldig ist». Amber Tamblyn, eine langjährigen Freundin des «Pulp Fiction»-Regisseurs, veröffentlichte gestern Abend eine etwas längere Nachricht über Twitter.

«In der letzten Woche war ich verblüfft und tief erschüttert über die Enthüllungen, die über meinen Freund, Harvey Weinstein, den ich seit 25 Jahren kenne, ans Licht gekommen sind. Ich brauche noch ein paar Tage, um meinen Schmerz, meine Gefühle, die Wut und meine Erinnerungen zu verarbeiten. Erst danach werde ich mich öffentlich äussern.» Aus welchem Grund diese Nachricht über Tamblyns Account publiziert wurde und wann der Regisseur wirklich Stellung nehmen wird, ist zurzeit noch nicht bekannt.

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