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Geopythafibotonpolyhypotesaeder!

Eine neue Wanderausstellung des Liechtensteinischen Landesmuseums spielt mit mathematischen Modellen und beweist, dass Mathematik nicht nur praxisnahe Rechenkunst, sondern lebendige Wissenschaft ist.

Eröffnet im November die Türen zur Mathematikausstellung: Landesmuseum Liechtenstein. (Aufnahme vom 28. November 2003)
Eröffnet im November die Türen zur Mathematikausstellung: Landesmuseum Liechtenstein. (Aufnahme vom 28. November 2003)
Keystone

Mathematik ist langweilig? Mathematik ist unanschaulich? Nicht im Fürstentum Liechtenstein! Die neue Wanderausstellung «Geopythafibotonpolyhypotesaeder! Matheliebe.» des Landesmuseum in Vaduz macht die Faszination der Zahlen, Formeln und Ordnungen begreifbar. Klar wird: Mathe ist nicht «nur» Rechenkunst, sondern fasst die Welt in abstrakte Präzision.

Viele Wurzeln der Mathematik liegen in den Naturwissenschaften, basieren auf Beobachtungen und Erfahrungen. Doch Mathematik ist eine eigenständige Geisteswissenschaft mit uralter Tradition, die inzwischen Werkzeug aller Wissenschaften ist. Mathematik beherrscht uns, begleitet uns im gesamten Alltag - ob in den Chips unserer Smartphones oder in den Steuermodulen unserer Autos. Aber wir nehmen sie immer weniger wahr. Und vielen wird mulmig, wenn ihnen die Macht bewusst wird, die hinter Rechenoperationen steckt. Wer also Mathe kann, versteht die Welt - zumindest ein bisschen besser. Oft sind es die Lehrmethoden, die verhindern, dass der «Mathefunke» überspringt.

Auch die Wirtschaft profitiert

Spass an Mathe wecken, das ist die Mission des liechtensteinischen Mathematiklehrers Georg Schierscher. «Leider ist das Angebot an anschaulichem Lehrmaterial jedoch dürftig», erklärt der Pädagoge. Deshalb beschaffte er für seinen Unterricht am Liechtensteinischen Gymnasium in Vaduz eigene Modelle, in denen sich Mathematik materialisiert. Zum Teil baute er diese selbst, erhielt Hilfe von Lehrlingswerkstätten regionaler Gewerbe- und Industriebetriebe oder entdeckte seine Objekte im Alltag. Da entpuppte sich der Fussball als abgestumpftes Ikosaeder und der Autoscheinwerfer als Parabolspiegel. «Die Sinne sind Futter für das Denken, daher sollten die Schüler Mathematik möglichst sinnlich erfahren können. Verstehen beginnt, wenn man die gesamte Wirklichkeit vor Augen hat», betont Schierscher. Und auch die Wirtschaft profitiere von mathebegeisterten Absolventen. Inzwischen in Pension, möchte er seine Sammlung deshalb für künftige Schülergenerationen erfahrbar machen.

Auf 400 Quadratmetern zeigt das Liechtensteinische Landesmuseum ab 22. November 2012 Schierschers eindrucksvolle Welt der Mathematik. Darunter sind rund einhundert physische Modelle, Gegenstände aus Natur und Alltag, Computergrafiken und -animationen sowie Briefmarken, Münzen und Medaillen mit mathematischen Motiven. Die Exponate sind in sieben Themenschwerpunkte geordnet: Wachstum und Form (Wachstumsprozesse), Goldgrube (Geometrie rund um den Goldenen Schnitt), Typen mit Ecken und Kanten (Vielflächner und deren geometrische Eigenschaften), Und nochmals Archimedes (geniale Ideen zu Kreis und Kugel), Ingenieuren auf der Spur (Mathematik in der Technik, im Strassen- und Hochbau), Spieglein, Spieglein an der Wand (Spiegelungen, Symmetrie), Filigran, fraktal, dynamisch (von Blumenkohl, Wolken und Börsenkursen inspirierte Mathematik). Ständig wird der Besucher zum Mitmachen eingeladen. So kann er sich an den «Friend» für Bergsteiger hängen und spüren, wie logarithmische Spiralen Leben sichern - oder im Spiegelkabinett der Unendlichkeit einer berechenbaren Illusion des Vielfachen Ichs begegnen.

SDA

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