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Finanzkrise bedrängt US-Kulturwelt

Jahrzehntelang waren die Amerikaner stolz, dass ihre Museen, Theater und Konzerthäuser vor allem von privaten Spenden leben. Jetzt erweist sich diese Abhängigkeit als fatal.

Kleinere Einrichtungen fürchten ums Überleben, und selbst die Traditionshäuser stehen vor einer unsicheren Zukunft. «Wir wissen, dass ein Sturm über das Meer zieht und dass er auf Land treffen wird. Wir wissen nur noch nicht, wie schlimm es sein wird und wann er kommt», warnte der Direktor des New Yorker Museum of Modern Art.

Das MoMA, ein Flaggschiff der US-Kunstszene, verhängte vergangene Woche einen Einstellungsstopp. Das Budget wird noch für dieses Jahr um zehn Prozent gekürzt. Auch andere Häuser stellen kein Personal mehr ein und verordnen Sparmassnahmen.

Das Contemporary Museum of Art in Honolulu im US-Bundesstaat Hawaii musste gar 25 Leute entlassen - mehr als die Hälfte der gesamten Mannschaft. Direktorin Georgianna Lagoria kürzte ihr eigenes Gehalt um 15 Prozent.

Lethargischer Staat

Die Abhängigkeit der Kunst von privatem Geld ist enorm. Allein im Jahr 2006 spendeten die Amerikaner 12,5 Milliarden Dollar (fast 14,5 Milliarden Franken) für kulturelle Einrichtungen, während die Unterstützung durch den Staat nur einen Bruchteil dessen ausmacht.

Das öffentliche Förderprogramm «National Endowment for the Arts» wurde in diesem Jahr nach hartem Kampf gerade mal auf 145 Millionen Dollar aufgestockt. Zu den grössten Geldgebern in den USA gehören traditionell die jetzt von der Krise besonders betroffenen Banken.

Auf der «Forbes»-Liste der zehn spendabelsten Unternehmen standen 2007 drei Kreditinstitute. Der Zusammenbruch des Traditionshauses Lehman Brothers war der härteste Schlag. Allein im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 39 Millionen Dollar gespendet.

Auf der Förderliste standen so renommierte Projekte wie die Brice-Marden-Retrospektive im MoMA und die Jackson-Pollock-Schau «No Limits, Just Edges» im New Yorker Guggenheim Museum. Vom Dallas Museum of Art bis zum Miami Art Museum erhielten zahlreiche Häuser quer durch das Land regelmässige Zuwendungen. Das ist alles vorbei.

Chancen auf dem Kunstmarkt

Es sind nicht nur Firmenspenden, um die die Kunstwelt fürchtet. Auch die privaten Mäzene könnten angesichts der unsicheren Zeiten ihren Geldbeutel enger zusammenhalten. «Wir konkurrieren da mit den Ausgaben fürs Tanken und fürs Essengehen», sagt der Direktor des Los Angeles County Museum of Art, Michael Govan.

Acht Millionen Dollar seines Jahresbudgets stammen von Spendern, die sich durch die Mitgliedschaft im Freundeskreis des Museums Vorteile wie verbilligte Eintrittskarten oder Einladungen erkaufen. Das MoMA hat 115'000 solcher Unterstützer, die - bisher - zwischen 50 Dollar und 60'000 Dollar Mitgliedsbeitrag im Jahr zahlen.

Wie die Auswirkungen wirklich sind, lässt sich nach Einschätzung von Kunstkennern erst zum Jahreswechsel absehen, weil bis dahin die von der Steuer absetzbaren Spenden eingegangen sein müssen.

Trotz aller Sorgen - die wegen der Finanzkrise nun möglicherweise sinkenden Preise auf dem Kunstmarkt könnten für die Museen einen Vorteil haben: «Vielleicht sind wir dann endlich mal wieder in der Lage, auch selbst etwas zu kaufen», sagt Govan.

SDA/rb

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