Sie dachten, sie seien allein

Von Trump gibts private Tonaufnahmen – aber auch von Hitler oder Diana. Alle sind erstaunlich.

«Was ist passiert?»: Trump und Ex-Beraterin Newman im heimlich aufgezeichneten Tape.

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Trump tobt. Eine gefeuerte Assistentin hat heimlich ein Telefongespräch aufgenommen und nun veröffentlicht. Zu hören ist ein ahnungsloser US-Präsident: Er habe nicht gewusst, dass sie entlassen worden sei. Trump klingt ungewohnt weich, mitfühlend, auch etwas verwirrt. Nach der Indiskretion schlägt er in bekannter Polter-Manier zurück, bezeichnet die Assistentin als «Hündin».

Prominente pflegen ein Image, haben eine Persona. Gewollt oder nicht passen sie ihr Verhalten der Öffentlichkeit an. Hinter verschlossenen Türen können sie sich anders geben. Läuft dann allerdings ein verstecktes Tonband, eine vergessene Kamera oder eine Aufnahme-App, kommt manchmal Erstaunliches zutage.

Hitler, 1942

Adolf Hitler besucht den Anführer der verbündeten Finnen, Carl Mannerheim. Ein Techniker des dortigen Staatsradios nimmt die ersten Minuten des Gesprächs auf. Hitler weiss nichts davon. Der Massenmörder, für einmal ohne irre Hassstimme, plaudert über seinen Angriff auf die UdSSR. Die Aufnahmen sind verstörend, weil Hitler wie ein Unbeteiligter klingt: Leider verfüge die Wehrmacht nur über eine Schönwetterausrüstung, und wenn man um die Stärke der Sowjets gewusst hätte... Keine drei Jahre später erschiesst er sich im Bunker, umzingelt von der Roten Armee.

Nixon, 1971–1973

Im Weissen Haus war ein Tonbandgerät installiert, das sich selbst einschaltete. US-Präsident Richard Nixon wusste das, driftete in seinen Gesprächen dennoch ab in Rassismus und Paranoia. Dass er sich zuweilen betrank, verbessert den Eindruck auch nicht.

Diana, 1991/1992

Dieses Tape schockierte die Monarchie. Ein Berater hatte Dianas Auslassungen über ihre Eltern, das Königshaus und nicht zuletzt ihren Mann aufgezeichnet. In der Privataufnahme sagte Diana beispielsweise, Prinz Charles habe erklärt, er wolle «nicht der einzige Prince of Wales sein, der nie eine Mätresse hatte». Die Royalisten wollten es verhindern, doch Channel 4 machte die Aufnahme letztes Jahr publik. Der Sender erzielte eine Rekordquote.

Trump, 2005

«Wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen. Kannst ihnen an die Muschi fassen.» Diese heimliche Aufnahme von 2005 stellte die «Washington Post» 2016 online. Es war Wahlkampf, die Empörung war gross, Donald Trump verlor einflussreiche Unterstützer. Präsident wurde er dennoch.

Romney, 2012

Der superreiche US-Republikaner Mitt Romney galt schon vorher als hartherzig. Dann, während des Wahlkampfs gegen Barack Obama, wurde ein Treffen mit Geldgebern aufgezeichnet – und jedes Vorurteil bestätigt. Romney zog über «die 47 Prozent» der Bürger her, die vom Staat abhängig seien und sich partout nicht um sich selber kümmerten.

Weinstein, 2015

Am Anfang der weltweiten #MeToo-Debatte stand die Entlarvung des Filmproduzenten Harvey Weinstein. Diese heimlich gemachte und 2017 dem «New Yorker» zugespielte Aufnahme lässt hören, wie Weinstein einer Schauspielerin mit einem perfiden Repertoire aus Drohen und Flehen zusetzt.

baz.ch/Newsnet

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