Mit Mike Müller in acht Tweets zum Nazi-Vorwurf

Twitter kann auch besonnene Persönlichkeiten sprachlich radikalisieren. Sofort.

Löste einen Twitter-Streit aus: Komiker Michael Elsener.

Löste einen Twitter-Streit aus: Komiker Michael Elsener.

Michèle Binswanger@mbinswanger

Überall auf der Welt polarisieren sich Gesellschaften immer stärker. Wer nach Gründen für dieses Phänomen sucht, findet seine Antworten in den sozialen Medien. In der dort gebotenen Kürze werden Inhalte extrem zugespitzt, was wiederum die Eskalation von Auseinandersetzungen begünstigt. Und zwar nicht nur bei notorischen Polterern und Polemikern, sondern auch bei sanftmütigen Zeitgenossen.

Das zeigte sich diese Woche auf Twitter. Dort gerieten nämlich NZZ-am-Sonntag-Kolumnist Peer Teuwsen und Nationalkomiker Mike Müller aneinander - beide als eher besonnene Persönlichkeiten denn als Hitzköpfe bekannt. Dennoch griffen sie sich bei einer Diskussion über Humor so heftig an, dass bereits im achten Tweet die Nazi-Keule niedersauste.

Dabei ging es um Michael Elseners neues Satireformat. Teuwsen hatte es als «zum Fremdschämen» kritisiert und schob gleich noch eine Analyse der Humorfähigkeit des Schweizers an und für sich nach. Mit negativem Fazit.

Der Schweizer sei einfach zu lieb und höflich, um satirischen Biss zu entwickeln. Auch Michael Elsener, der sei in dieser Hinsicht nämlich von seinem Aussenreporter Renato Kaiser abgetrocknet worden. «Leider konnte Elsener die Bemerkung von Kaiser, er sehe mit seinen blauen Augen aus ‹wie ein feuchter Traum von Adolf Hitler›, nicht kontern», schrieb Teuwsen.

Dies wiederum erzürnte Mike Müller, der Teuwsen frontal angriff:

Teuwsen antwortete, und von da an ging es noch sieben mal hin und her, bis mit Nazis hantiert wurde.

Was beweist: Twitter radikalisiert sogar die angeblich lieben, höflichen, aggressionsunfähigen Schweizer. Vielleicht sollte Elsener einfach mehr twittern.

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