Charlotte Roche, wie läuft es nach 15 Jahren Ehe im Bett?

In ihrem neuen Podcast «Paardiologie» sprechen die Autorin und ihr Mann über intimste Momente – zur Selbsthilfe, als Reality-Show und Input für andere Paare.

Viele Szenen einer Ehe möchte man nicht mit anderen teilen, weil sie frustrierend sind. Charlotte Roche und Martin Kess tun es in ihrem Podcast ausführlich. Bild: © Filiz_Serinyel_Photography

Viele Szenen einer Ehe möchte man nicht mit anderen teilen, weil sie frustrierend sind. Charlotte Roche und Martin Kess tun es in ihrem Podcast ausführlich. Bild: © Filiz_Serinyel_Photography

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

«Wie man nach 15 Jahren noch bumst und ob das wichtig ist für eine Ehe?», fragt eine Männerstimme. Ja, darum wird es gehen im neuen Podcast von Charlotte Roche und ihrem Ehemann Martin Kess. In 15 Folgen à je einer Stunde sprechen die beiden miteinander über das, was sie in ihrer Beziehung beschäftigt: Sex, Streit, Kindererziehung, Geld, andere Leute anziehend finden, Ängste, Abgründe, Spülmaschinen, Frischhaltefolie, Gefühle.

«Paardiologie» heisst der Podcast, der jeweils am Freitag eine Minute nach Mitternacht exklusiv auf Spotify erscheint. «Wissenschaft des Herzens» übersetzt Roche den Titel. Die Hauptfrage: Kann die Liebe in einer langen Beziehung überleben?

Bereits vor der ersten Folge, in einem der beiden Trailer, flossen die Tränen. Nichts sei sicher für ihn, sagt Kess, auch nicht, dass seine Frau bei ihm bleibe. «Ist das für dich so ein Gefühl, dass ich immer kurz davor bin, wegzugehen?», fragt Roche. Wenn einem etwas wertvoll sei, habe man Angst, es zu verlieren. Roche beginnt zu weinen.

Die erste Folge hingegen beginnt unaufgeregt, ohne Signet, das Paar sitzt sich in einem heissen Raum gegenüber. «Wir haben wenig an», sagt sie. Ihr Mann beginnt darüber zu erzählen, wie schön er den Namen des Podcasts findet, dass das Wort Ehe und der Dualismus Frau-Mann nicht vorkommt. Roche und ihr Mann wollen nicht nur sich selbst therapieren, sondern auch andere Paare ansprechen – verheiratet, unverheiratet, monogam oder nicht, homo, hetero.

15-mal setzen sich Charlotte Roche und Ehemann Martin Kess zusammen. Im Alltag kämen tiefgründige, unangenehme, aber auch reinigende Gespräche oft zu kurz. Bild: © Filiz_Serinyel_Photography

Es soll so echt und ehrlich wie möglich sein, keine Wiederholungen, keine Fakes. Von Roche kennt man Schonungslosigkeit und Tabubrüche. Ihre Bücher «Feuchtgebiete» und «Schossgebete» waren Bestseller. Doch eine Stunde Podcast ist lang. Diese soll unter anderem auch mit fixen Rubriken gefüllt werden: «Was ich dich immer schon mal fragen wollte ...» und «Was mich absolut an dir nervt, ist ...»

In der Vergangenheit, so erfährt man, geriet Roche oft derart in Rage, dass sie etwa einen massiven Tisch aus kanadischen Eichenwurzeln oder einen Becher heisser, aufgeschäumter Milch nach ihrem Mann warf. Sie lachen darüber – was seltsam anmutet. In Statistiken tauchen solche Handlungen auf als häusliche Gewalt. Doch dann kratzen sie die Kurve und sprechen ernsthaft darüber, wie es so weit kommen konnte. Eifersucht zum Beispiel. Kam Alkohol dazu, lief der Streit aus dem Ruder.

Warten auf mehr Substanz

In einer Paartherapie seien sie zur Erkenntnis gelangt, dass man nicht dafür verantwortlich sei, dass der andere glücklich oder unglücklich ist. Roche fragt ihren Mann, wie er über sie gegenüber Freunden spricht, dann, wenn sie weiss, dass sie unglaublich anstrengend ist. Und sie fragen sich gegenseitig, ob sie sich heute noch mal ineinander verlieben würden.

Das sind die spannenden Passagen. Das sind die Dinge, die man auch seinen Partner oder seine Partnerin gerne fragen würde und sich vielleicht noch nicht traut, weil man die Antwort fürchtet.

Trotzdem liegt der Fokus oft stark auf den sehr persönlichen Geschichten des Paares. Für jene, die sich für das Leben von Roche und ihrem Ehemann interessieren, mag das spannend sein. Anderen könnten die Reality-Show-Anteile nicht genügen. Auch geht es in der ersten Folge zu oft darum, wie der Podcast zustande kam. Das erfährt man bereits ausführlich in den beiden Trailern.

Man ist auch gespannt, ob die beiden es schaffen, das, was sie ausführlich ankündigen, auch wirklich zu besprechen. Dann nämlich könnte das Format tatsächlich therapeutische Wirkungen entfalten. Nicht nur beim Ehepaar selbst, auch bei jenen, die zuhören. Keine Beziehung ist perfekt. Das von anderen zu hören, erleichtert.

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