Zum Hauptinhalt springen

Crazy Love

Leonard Cohen war nicht bekannt für seine Künste als Sänger, sondern eher für seine Texte. Er hätte einen Literaturnobelpreis verdient.

Obwohl Cohen nur mässig Gitarren spielen konnte, waren seine Lieder aussergewöhnlich.
Obwohl Cohen nur mässig Gitarren spielen konnte, waren seine Lieder aussergewöhnlich.
Dominique Issermann

Vergangene Woche ist dem Dichter Peter Handke der Literaturnobelpreis verliehen worden. In seiner Rede sagte er: Nicht nur Bücher, Bilder, Filme, auch «die Lieder (zuletzt, zum Beispiel, die von Johnny Cash, Leonard Cohen und Bob Marley gesungenen) haben mir Schwingungen und Schwungkräfte gegeben». Schwunggeber Leonard Cohen, der im November 2016 im Alter von 82 Jahren verstorbene kanadische Singer und Songwriter, galt zu Lebzeiten selbst als Kandidat für den Literaturnobelpreis.

Zu Recht. Cohen, das wusste er selbst, war ein ziemlich schlechter Sänger und ein mässiger Gitarrist. Aber seine Texte, die bei aller tiefgründelnden Melancholie das Leben feierten, waren brutal gut. «Crazy to Love You» hiess einer seiner Songs aus dem Jahr 2012.

Cohens Texte waren brutal gut.

Gerade lief der Film «Words of Love» von Nick Broomfield in den Kinos, der die verrückte Liebe Leonard Cohens zu der allseits seine «Muse» genannten Marianne Ihlen aus Norwegen schildert – eine Liebe, die in den 60er-Jahren auf der griechischen Insel Hydra begann und sich im Lauf der Jahrzehnte zu verlieren schien.

Das Leben geht manchmal etwas verschlungene Wege, und Cohen hatte sich weit von Marianne Ihlen und von Hydra entfernt und landete einmal, was man mit Erstaunen zur Kenntnis nimmt, in den Armen der Rock- und Bluessängerin Janis Joplin. Das war 1968 im Chelsea Hotel, Zimmer 424, zu New York.

Auch bekam es der Womanizer, der Cohen zweifelsohne war, mit zwei Suzannes zu tun, von denen die eine unten am Fluss wohnte und ihm Constant Common Tea mit Orangenstückchen darin kredenzte. Das erfährt man aus Cohens Hit «Suzanne». Die andere Suzanne, die immer mit der ersten verwechselt wird, wurde in Kanada seine Lebensgefährtin und Mutter seiner zwei Kinder, von denen das eine Adam hiess, 1972 geboren wurde und zu einem passablen Musiker heranreifte.

Die zweite Würdigung ist Leonard Cohens Album «Thanks for the Dance», das Adam Cohen aus dem Nachlass zusammengestellt hat.

Es ist nun so, dass dieser Adam seinem Vater posthum gleich zwei Würdigungen zukommen liess. Die eine war ein «Memorial Tribute»-Konzert in Montreal am 6. November 2017, bei dem Sting, Elvis Costello und Courtney Love Lieder von Leonard Cohen coverten. Cohen, der Sohn, brachte an diesem Abend, gemeinsam mit den wunderbaren Webb Sisters, das «So long, Marianne» zu Gehör – den sentimentalen Abschiedssong des Vaters an Marianne Ihlen.

Die zweite Würdigung ist Leonard Cohens Album «Thanks for the Dance», das Adam Cohen aus dem Nachlass zusammengestellt hat. Es ist jetzt im Handel (tolles Weihnachts­geschenk!).

Marianne Ihlen stirbt am 28. Juli 2016 in Norwegen, 81 Jahre alt. Zwei Tage zuvor wird ihr am Krankenlager eine E-Mail-Botschaft Cohens verlesen, der selbst schon dem Tod ins Auge blickt. Sie geht so: «Nun, Marianne, jetzt ist es so weit, dass wir wirklich so alt sind und unsere Körper auseinanderfallen, und ich glaube, dass ich dir bald folgen werde. Sei gewiss, ich bin so nah hinter dir, dass deine Hand, wenn du sie ausstreckst, die meine fassen kann. (…) Nun wünsche ich dir eine gute Reise. Auf Wiedersehen, alte Freundin. Endlose Liebe, wir sehen uns am Ende der Strasse.»

Crazy Love.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch