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Chansonnier Charles Aznavour ist gestorben

Er war einer der letzten grossen Vertreter des klassischen Chansons. Nun starb der Franzose mit 94 Jahren.

Sang noch im März 2018 in Genf bei der UNO: Charles Aznavour. Video: AFP

Der Altmeister des französischen Chansons, Charles Aznavour, ist tot. Der weltweit beliebte Sänger und Komponist starb in der Nacht zu Montag mit 94 Jahren in seinem Haus in der Provence, wie seine Pressesprecherin mitteilte.

Der Sänger mit armenischen Wurzeln wurde mit Liedern wie «La Bohème» berühmt, das er auch auf Deutsch sang. Deutschsprachige Fans begeisterte er auch mit Titeln wie «Du lässt dich geh'n» und «La Mamma». Als Schauspieler wirkte er in zahlreichen Filmen mit, darunter «Die Blechtrommel» von Volker Schlöndorff von 1979.

Der «französische Sinatra» hatte nach einem Sturz im Sommer Konzerte in Regensburg und Köln sowie in anderen europäischen Städten absagen müssen. Aznavour litt an den Folgen eines Oberarmbruchs und mied seitdem die Öffentlichkeit. Zuletzt hatte er noch eine Tournee in Japan absolviert.

Bekannte französische Musiker würdigten Aznavour als ihr grosses Vorbild: «Er hat unser Leben begleitet», sagte der Sänger Alain Souchon im Sender RTL. «Der wahre Boss hat uns verlassen», schrieb der Sänger und Komponist Benjamin Biolay auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. Politiker nannten Aznavour einen der grössten Entertainer Frankreichs und einen Botschafter in der Welt.

«Ich habe eine unerhoffte, aber beispielhafte Karriere gemacht», vertraute Aznavour einmal der Nachrichtenagentur AFP an. «Alles ist eine Frage des Glücks». Er veröffentlichte im Laufe seines Lebens mehr als 700 Lieder und verkaufte mehr als hundert Millionen Platten. Zudem stand er in mehr als 70 Filmen als Schauspieler vor der Kamera.

Der Beginn von Aznavours Karriere war nicht einfach. Der 1,65 Meter grosse Sänger entsprach nicht dem Idealbild eines französischen Troubadours. «Kritiker warfen mir vor, ich sei hässlich und klein», sagte er AFP über diese Zeit. Erste Erfolge hatte er als Pianist und als Songschreiber. Schon als junger Mann begleitete er Grössen des französischen Chansons wie Charles Trenet und Edith Piaf auf dem Klavier und schrieb Lieder für sie.

Kein einfacher Aufstieg

Den Durchbruch als Sänger schaffte Aznavour erst Mitte der 1950er Jahre mit seinem Liebeslieder-Album «Sur ma vie» (1954) und einem Auftritt in dem legendären Pariser Musiktheater L'Olympia. Ein paar Jahre später feierte er einen Triumph in der New Yorker «Carnegie Hall», anschliessend folgten zahlreiche Tourneen rund um den Globus, die ihn auch nach Deutschland führten.

Geboren wurde Aznavour, der eigentliche Aznavourian heisst, am 22. Mai 1924 als Sohn armenischer Eltern in Paris. Als Junge wollte er Schauspieler werden und bekam mit neun Jahren eine erste Nebenrolle. Aber erst 1960 bot ihm der damalige Aufsteiger des französischen Films, François Truffaut, eine Hauptrolle in seinem Streifen «Schiessen Sie auf den Pianisten» an. Er drehte auch mit Hans W. Geissendörfer («Der Zauberberg») oder Claude Chabrol («Die Fantome des Hutmachers»).

Für 2006 kündigte der unermüdliche Musiker seine Abschiedstournee an, die in Essen enden sollte – doch danach folgten weitere Auftritte und Tourneen, bis in dieses Jahr. Im Herbst waren Konzerte in Brüssel und in Frankreich geplant.

Aznavour engagierte sich auch sozial und setzte sich unter anderem für Erdbebenopfer in seinem Heimatland Armenien ein. Hollywood ehrte ihn auf Initiative der armenischen Gemeinde im vergangenen Jahr mit einem Stern auf dem «Walk of Fame», den er selbst einweihte.

AFP/amc

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