Wodin gewinnt Leipziger Buchpreis

Für ihren Roman «Sie kam aus Mariupol» wird Natascha Wodin mit dem renommierten Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Erzählt die Geschichte ihrer Mutter, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte: Natascha Wodin während ihrer Dankesrede in Leipzig.

Erzählt die Geschichte ihrer Mutter, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte: Natascha Wodin während ihrer Dankesrede in Leipzig.

(Bild: Keystone)

Natascha Wodin hat den renommierten Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Die Jury zeichnete in der Kategorie Belletristik ihren Roman «Sie kam aus Mariupol» aus. Lukas Bärfuss ging leer aus, dafür gewann die Bielerin Eva Lüdi Kong in der Sparte Übersetzung.

In der Sparte Sachbuch gewann Barbara Stollberg-Rilinger. Die Preise sind mit je 15'000 Euro dotiert. Der Leipziger Buchpreis zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Erstmals ging er in allen drei Kategorien an Frauen.

Die 71-jährige Natascha Wodin erzählt in ihrem preisgekrönten Roman «Sie kam aus Mariupol» die Geschichte ihrer Mutter, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte. Als junge Frau erlebte sie den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror, 1944 wurde sie von den Nazis als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt. Zwölf Jahre später nahm sie sich das Leben. Ihre beiden Töchter waren da gerade vier und zehn Jahre alt.

Sorge um die Türkei

Der erste Messetag in Leipzig stand im Zeichen der Sorge um die Meinungsfreiheit in der Türkei. Die Türkei sei auf dem Weg zu einem totalitären Unrechtsstaat mit einem Diktator Erdogan an der Spitze, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis. «In so einer Zeit ist Schweigen oder diplomatisches Leisetreten nicht angesagt.»

Aus Istanbul wurde die wegen Terrorvorwürfen angeklagte Autorin Asli Erdogan per Videoübertragung zugeschaltet. Sie sagte, sie rechne bei dem Referendum am 16. April in der Türkei mit einem Erfolg von Präsident Recep Tayyip Erdogan. «Es sieht so aus, als ob alles dann noch schwieriger wird.» Der vorübergehend inhaftierten Autorin droht wegen ihrer Arbeit für die inzwischen geschlossene prokurdische Zeitung «Özgür Gündem» lebenslange Haft. Sie darf deshalb die Türkei nicht verlassen und musste auch den geplanten Auftritt in Leipzig absagen.

Verstärkte Sicherheit

Die viertägige Bücherschau begann mit starkem Besucherandrang. Lesungen von Autoren wie Nora Bossong und Clemens Meyer stiessen auf viel Interesse. Zu einem Messerundgang kam auch der neue SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz nach Leipzig.

In diesem Jahr gibt es veränderte Sicherheitsvorschriften, unter anderem auch Taschenkontrollen. Als Schwerpunktpunktland der Leipziger Buchmesse wirbt Litauen um Leser. Kulturministerin Liana Ruokyte-Jonsson sagte, für die Branche sei Deutschland der wichtigste Markt.

Bis zum Sonntag erwartet die Messe wieder wie im Vorjahr rund 260'000 Besucher auf dem Gelände und dem Lesefestival «Leipzig liest». Knapp 2500 Aussteller aus 43 Ländern präsentieren auf der Frühlingsschau die Neuheiten aus der Buch- und Verlagsbranche.

sda

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