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Urs Mannharts Roman wird zum Gerichtsfall

Der Berner Autor soll beim österreichischen Reporter Thomas Brunnstein abgeschrieben haben. Nun hat das Handelsgericht Zürich entschieden, der Plagiatsklage stattzugeben. Mannhart ist schockiert.

Sieht sich mit einem Hauptverfahren konfrontiert: Urs Mannhart.
Sieht sich mit einem Hauptverfahren konfrontiert: Urs Mannhart.

Auslieferungsstopp, Werbe- und Leseverbot für Urs Mannharts Roman «Bergsteigen im Flachland»: Das Handelsgericht Zürich hat entschieden, der Plagiatsklage des österreichischen Reporters Thomas Brunnsteiner stattzugeben. Damit kommt es zur Gerichtsverhandlung.

Der Fall bewegt die Gemüter: Urs Mannhart, 39-jähriger Berner Schriftsteller und Journalist, sieht sich mit Plagiatsvorwürfen eines Berufskollegen konfrontiert. In seinem im Mai erschienenen Roman «Bergsteigen im Flachland» nimmt er in Form von einigen Motiven und Figuren Bezug auf Reportagen des Reporters Thomas Brunnsteiner.

Der Österreicher sei mit seinen «grossartigen Reportagen» eine Inspirationsquelle für ihn, schrieb Mannhart im August auf dem Literaturblog literaturport.de. Mit diesen Lorbeeren kann Brunnsteiner nichts anfangen: Er wirft dem Berner «Diebstahl geistigen Kapitals» und einen Angriff auf die Berufsehre als Reporter vor, wie er sich im «Tages-Anzeiger» vergangener Woche zitieren liess.

Nun hat das Handelsgericht Zürich entschieden, Brunnsteiners Klage auf vorsorgliche Mass nahmen stattzugeben. Damit muss der Secession-Verlag bis zum Hauptverfahren die Auslieferung des Romans stoppen und darf ihn nicht bewerben. Mannhart selber sind Lesungen aus dem Werk untersagt. Das teilte der Verlag am Montag in einem Communiqué mit. Das Gericht äussert sich nicht zum Fall.

Mannhart ist schockiert

114 Textstellen hat der Österreicher gemäss Verlag beanstandet. 6 davon habe das Gericht in seinem Urteil berücksichtigt. Als Beispiel nannte der Verlag den folgenden Satz: «Das Kaspische Meer ist so gross wie Deutschland.» In Brunnsteiners Reportage hiess es: «Das Kaspische Meer mag so gross sein wie Deutschland.»

Mit dem Urteil verkenne das Gericht, dass es sich bei «Bergsteigen im Flachland» um ein «fiktionales Werk handelt, das wie fast jedes andere fiktionale Buch auch Material und Fakten aus nichtfiktionalen Werken» aufnehme.

Auch Mannhart selber äusserte sich auf literaturport. de ähnlich. Er stehe «unter Schock», schrieb der Autor am Montag. «Ich frage mich: Soll es Schriftstellern künftig verboten sein, Informationen, die sie in Zeitungen und Sachbüchern finden, literarisch zu verarbeiten?» Das Verkaufs-, Werbe- und Leseverbot halte er für eine «haarsträubende Unverhältnismässigkeit».

In seiner Mitteilung schreibt der Verlag, man sehe dem Verfahren zuversichtlich entgegen und hoffe, Urs Mannhart werde vollständig rehabilitiert.

Verlag sieht Klage als Präzedenzfall

Schon nachdem Brunnsteiner mit seinen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gelangt war, hatte Mannhart das Versäumnis seinerseits bedauert, die Quellen nicht explizit genannt und den Berufskollegen nicht im Vorwort erwähnt zu haben.

Brunnsteiner hatte vor seinem Gang ans Gericht dem Secession-Verlag seine Forderungen unterbreitet, unter anderem eine Entschädigung von 30'000 Franken. Die Forderungen bezeic hnete der Verlag als überrissen und unerfüllbar.

In der Medienmitteilung vom Montag äusserte der Verlag den Vorwurf, Brunnsteiner wolle aus Mannharts Werk Kapital schlagen. Diesem Versuch komme eine grundsätzliche Bedeutung zu und er reiche «weit über den Einzelfall hinaus».

Thomas Brunnsteiner, der mit seiner Familie in Lappland lebt und sich derzeit zum Ingenieur umschulen lässt, war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

SDA

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