«So vermeide ich auch Stress»

Wie arbeitet einer der bedeutendsten Zeichner? Lewis Trondheim verräts.

Der französische Comiczeichner Lewis Trondheim. Foto: Nicole Pont

Der französische Comiczeichner Lewis Trondheim. Foto: Nicole Pont

Clara Vuille-dit-Bille

Wie sieht der typische Arbeitstag eines Comiczeichners aus?
Ich gehe erst gegen drei Uhr morgens zu Bett und stehe entsprechend später auf. Dann beantworte ich E-Mails und arbeite am jeweils aktuellen Projekt. Ich arbeite ziemlich schnell.

Was heisst schnell im Comic?
In zwei bis drei Stunden zeichne ich eine ganze Seite. So vermeide ich auch Stress bezüglich Abgabeterminen.

Wieso zeichnen Sie mit Vorliebe Tiere?
Ich war anfangs kein guter Zeichner und musste einen Weg finden, wie ich mich trotzdem ausdrücken konnte. Abstrakte Tiere eigneten sich sehr gut dafür: Da sind die Augen teilweise nur zwei Punkte, der Mund ein Strich und die Nase ein Dreieck. Diese Art des Zeichnens verwende ich auch, wenn ich Menschen abbilde; etwa in «Mohnblumen aus dem Irak», dem Comic meiner Frau Brigitte Findakly über ihre Kindheit im Irak.

Das vielseitige Werk von Lewis Trondheim:

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Sie sind privat und beruflich ein Paar...
... und viele Leute fragen, wie wir das machen. Nun, wir arbeiten zusammen, gehen gemeinsam in die Ferien. Ich frage mich dann immer: Wie machen das die Leute andersrum?

Würden Sie sich heute als guten Zeichner bezeichnen?
Nicht unbedingt, aber ich habe gelernt, meine Zeichnungen zu mögen. Anstatt zu bereuen, dass ich kein realistischer Comiczeichner geworden bin, versuche ich heute umso mehr, meine Eigenheiten weiterzuentwickeln.

Wie machen Sie das?
Ich zeichne jeden Tag und versuche, mich nicht zu wiederholen. Am Anfang meiner Karriere zeichnete ich meine Figuren einmal mit offenem, einmal mit geschlossenem Mund und verwendete diese Zeichnungen immer wieder. Aber irgendwann reichte das nicht mehr. Jetzt versuche ich, mal die Dialoge zu verbessern, mal mit Farben zu experimentieren.

Was braucht es, um ein guter Comiczeichner zu werden?
Es ist kein einfaches Metier: Man muss Dialoge entwerfen, Sinn für Humor haben, kolorieren und eine Ambiancen kreieren können. Man muss den Leser hypnotisieren, ganz ähnlich wie im Kino oder im Fernsehen. Das ist nicht einfach, aber toll, dass dies mit nur einem Stift und einem Stück Papier gelingen kann.

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