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Schriftsteller wollen Suhrkamp verlassen

Autoren wie Uwe Tellkamp, Sibylle Lewitscharoff und Adolf Muschg stellen sich öffentlich hinter Ulla Unseld-Berkéwicz. Die Pläne des Unternehmers Hans Barlach sind ihnen ein Graus.

Drohen mit Abschied: Adolf Muschg und Uwe Tellkamp.
Drohen mit Abschied: Adolf Muschg und Uwe Tellkamp.
Keystone/Reuters

Nach dem spektakulären Urteil im Streit um den Suhrkamp-Verlag drohen Schriftsteller mit ihrem Abschied. Uwe Tellkamp («Der Turm») bezeichnete die Entwicklung im Magazin «Focus» als «bestürzend». Adolf Muschg ruft Politiker als Mediatoren an.

Er, der selber wegen Differenzen mit Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz 2009 Suhrkamp verlassen hat, wäre mit deren Absetzung gar nicht glücklich, wie er der «SonntagsZeitung» sagte. Das Berliner Landgericht hatte letzte Woche auf Antrag des Minderheitsaktionärs Hans Barlach die Absetzung der Geschäftsleitung verfügt; der Beschluss ist aber noch nicht rechtskräftig.

An der Rettung des Verlags gebe es ein öffentliches Interesse, und Unselds Witwe traue er ein «salomonisches Urteil zu, in dem das Leben des Kindes Vorrang hat vor dem Streit der Mütter», sagte Muschg. Er hatte am Freitag den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck als Vermittler zwischen den zerstrittenen Lagern vorgeschlagen.

Auch die Schriftstellerin und Heinrich-von-Kleist-Preisträgerin 2011, Sibylle Lewitscharoff, stellte sich öffentlich hinter die bisherige Geschäftsführerin. Diese sei ihr von Anfang an als intelligente, generöse Verlegerin begegnet, schreibt Lewitscharoff in einem Beitrag der «Süddeutschen Zeitung». Barlachs Pläne nannte sie einen «Albtraum». «Sollte es zum Schlimmsten kommen, reisse ich sofort aus.»

Suhrkamp-Autor Stephan Thome («Fliehkräfte») schrieb im «Spiegel»: «Herr Barlach hat eine Fehlinvestition getätigt, als er sich in einen Verlag eingekauft hat, der seine Gewinnerwartungen nicht erfüllen kann, ohne den eigenen Ruf zu ruinieren.» Statt seine Anteile an die Mehrheitseigner zu verkaufen, «will er lieber einen Verlag schaffen, den ausser ihm niemand braucht».

Tradition kontra Gewinn

Barlach selbst wurde im «Spiegel» mit den Worten zitiert: «Ich will weder den Suhrkamp-Verlag zerstören noch seine intellektuelle Führung übernehmen. Unser Anliegen ist eine nachhaltige Entwicklung des Verlages mit einer auskömmlichen Rendite.» Ein «mittelfristiger Renditekorridor» von 5 bis 15 Prozent sollte möglich sein.

Unseld-Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent des Suhrkamp-Verlags. Barlach war 2006 gegen ihren Willen mit seiner Medienholding Winterthur in das Unternehmen eingestiegen und betreibt in verschiedenen Verfahren die Ablösung der Verlegerin.

SDA/kle

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