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Prix Goncourt für Jérôme Ferrari

Der französische Autor hat für seinen Roman «Le Sermon sur la chute de Rome» den bedeutendsten französischen Literaturpreis erhalten. Der Genfer Autor Joël Dicker ging leer aus.

Arbeitet als Philosophielehrer in Abu Dhabi: Goncourt-Gewinner Ferrari.
Arbeitet als Philosophielehrer in Abu Dhabi: Goncourt-Gewinner Ferrari.
Keystone

Aus der Traum: Der Genfer Autor Joël Dicker hat den Prix Goncourt als einer von vier Finalisten verpasst. Die Jury entschied sich am Mittwoch für «Le Sermon sur la chute de Rome» des Franzosen Jérôme Ferrari.

In der fast 100-jährigen Geschichte des Prix Goncourt hat bisher nur ein Schweizer den renommiertesten französischen Literaturpreis erhalten: Jacques Chessex 1973 für «L'Ogre». Immerhin steigerte allein die Nominierung von Dickers Roman «La Vérité sur l'Affaire Harry Quebert» den Verkauf erheblich.

20'000 Exemplare wurden nach Auskunft des Verlags L'Âge d'Homme bisher an Schweizer Buchhandlungen ausgeliefert. In Frankreich stieg die Auflage nach der Nominierung auf 70'000, was den Roman auf Platz sieben der «Livres-Hebdo»-Rangliste brachte.

Eine amerikanische Geschichte

Der 27-jährige Jurist Dicker hat bereits den Grossen Preis der Académie française gewonnen und ist immer noch im Rennen um den Prix Interallié, der am 14. November vergeben wird. Die Auszeichnung mit dem Goncourt am Tag nach dem Election Day 2012 wäre umso erfreulicher gewesen, als eine Schlüsselszene des Romans am 5. November 2008 spielt, dem Tag, als Obama gewählt wurde.

In Dickers in New Hampshire angesiedeltem 670-seitigem Roman «La Vérité sur l'Affaire Harry Quebert» erzählt ein junger Autor, wie das Buch, das der Leser in Händen hält, entstanden ist: Marcus Goldman wollte damit seinen Doktorvater Harry Quebert entlasten, welcher des Mordes an einer vor 33 Jahren verschwundenen 15-Jährigen verdächtigt wird.

Das gelingt ihm auch und der Tatsachenroman «L'Affaire Harry Quebert» wird ein Bestseller. Doch Goldman hat ein wichtiges Detail übersehen: Eine der involvierten Personen hat zum Tatzeitpunkt nicht mehr gelebt. Also ermittelt er erneut und veröffentlicht nach mehreren überraschenden Wendungen «La Vérité sur l'Affaire Harry Quebert».

Weltgeschichte in korsischer Bar

Die Goncourt-Akademie fällte ihren Entscheid für Ferraris «Le Sermon sur la chute de Rome» im zweiten Wahlgang. Das Werk des 1968 in Paris geborenen Autors handelt von einer Bar in Korsika, die zum Dreh- und Angelpunkt von Hoffnungen, Enttäuschungen und Konflikten wird, in denen sich die gesamte Menschheitsgeschichte widerspiegelt.

«Le Sermon sur la chute de Rome» ist das sechste Werk des Philosophielehrers. Von dem Roman wurden bislang 90'000 Exemplare verkauft. Der Prix Goncourt ist zwar nur mit symbolischen zehn Euro dotiert, doch er katapultiert die prämierten Werke wochenlang in die Bestsellerlisten.

Ferrari ist im deutschsprachigen Raum kein Unbekannter. Von ihm wurde 2011 «Und meine Seele liess ich zurück», im Original «Où j'ai laissé mon âme», veröffentlicht. Der 44-Jährige unterrichtet am französischen Gymnasium in Abu Dhabi. Zuvor arbeitete und lebte er in Algier und auf Korsika.

Renaudot an Überraschungskandidatin

Zeitgleich wurde am Mittwoch der Literaturpreis Renaudot vergeben. Die Auszeichnung ging an Scholastique Mukasonga für «Notre-Dame du Nil». Das Werk handelt von einem 16-jährigen Mädchen, das in den Bergen auf der Kongo-Nil-Wasserscheide zurückgezogen lebt, um bis zur Hochzeit vor allen Versuchungen geschützt zu sein.

Der Roman der aus Ruanda stammenden Schriftstellerin wurde im zehnten Wahldurchgang gewählt. Das Buch stand nicht auf der Favoritenliste.

SDA/lmm

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