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Neues aus Giesskannenland

Ein Thinktank präsentierte an den Solothurner Literaturtagen 14 Vorschläge, wie die Schweizer Bücherszene gefördert werden könnte. Was ist davon zu halten? Eine Punkt-für-Punkt-Kritik.

«Schaffung kantonaler Koordinationsstellen zur Verbesserung der Literaturvermittlung zwischen Autoren, Verlagen und Schulen.»  Fragwürdig, welche konkreten Aufgaben eine solche Stelle erfüllen soll. Informationsbeschaffung und Koordination bedürfen im digitalen Zeitalter in den allermeisten Fällen lediglich ein paar weniger Klicks – wenn denn tatsächlich ein Bedürfnis nach Austausch besteht. (Bundesrat Alain Berset mit der neuen Direktorin des Bundesamts für Kultur, Isabelle Chassot, 8. Mai 2013)
«Schaffung kantonaler Koordinationsstellen zur Verbesserung der Literaturvermittlung zwischen Autoren, Verlagen und Schulen.» Fragwürdig, welche konkreten Aufgaben eine solche Stelle erfüllen soll. Informationsbeschaffung und Koordination bedürfen im digitalen Zeitalter in den allermeisten Fällen lediglich ein paar weniger Klicks – wenn denn tatsächlich ein Bedürfnis nach Austausch besteht. (Bundesrat Alain Berset mit der neuen Direktorin des Bundesamts für Kultur, Isabelle Chassot, 8. Mai 2013)
Keystone
«Schweizer Bibliotheken verpflichten sich, bei jedem 7ten eingekauften Buch eine lebende Schweizer Autorin, einen lebenden Schweizer Autor zu berücksichtigen.»Ein unsinniger Vorschlag, der Quantität höher gewichtet als Qualität und ausgerechnet der Literatur nationalistische Schranken setzen will. Besser, wenn sich Bibliothekare an der gesamten deutschsprachigen Literatur orientieren und jenen Schweizer Autoren Platz in ihren Regalen einräumen, die sie tatsächlich für gut befinden. (Im Lesesaal der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern, 3. Juli 2009)
«Schweizer Bibliotheken verpflichten sich, bei jedem 7ten eingekauften Buch eine lebende Schweizer Autorin, einen lebenden Schweizer Autor zu berücksichtigen.»Ein unsinniger Vorschlag, der Quantität höher gewichtet als Qualität und ausgerechnet der Literatur nationalistische Schranken setzen will. Besser, wenn sich Bibliothekare an der gesamten deutschsprachigen Literatur orientieren und jenen Schweizer Autoren Platz in ihren Regalen einräumen, die sie tatsächlich für gut befinden. (Im Lesesaal der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern, 3. Juli 2009)
Keystone
«Vor dem Erfolg schrieb ich aus der harten Notwendigkeit heraus,Geld zu verdienen», sagte Friedrich Dürrenmatt 1985. Bis heute ergeht es vielen Schweizer Autoren gleich. Geldnot kann mitunter positiv als Antreiber wirken, auf Dauer laugt sie aber aus. Daher sollte Literaturförderung in erster Linie Literatenförderung sein –  was der Solothurner Thinktank seltsamerweise viel zu wenig bedenkt. Wenn Geld umverteilt werden soll, dann radikal und direkt zugunsten der wichtigsten Akteure, der Schriftsteller also, für Stipendien und Buchzuschüsse, mitunter auch für die gezielte Promotion eines Werks oder für den Druck. Der nachgelagerte Literaturbetrieb ist heute gut dotiert und ausdifferenziert genug, dass ihm ein neuer Dürrenmatt nicht entwischen wird – und dass er ihn gewinnbringend zu vermarkten vermag. (Dürrenmatt bei der Verleihung des Gottlieb-Duttweiler-Preises, 22. November 1990)
«Vor dem Erfolg schrieb ich aus der harten Notwendigkeit heraus,Geld zu verdienen», sagte Friedrich Dürrenmatt 1985. Bis heute ergeht es vielen Schweizer Autoren gleich. Geldnot kann mitunter positiv als Antreiber wirken, auf Dauer laugt sie aber aus. Daher sollte Literaturförderung in erster Linie Literatenförderung sein – was der Solothurner Thinktank seltsamerweise viel zu wenig bedenkt. Wenn Geld umverteilt werden soll, dann radikal und direkt zugunsten der wichtigsten Akteure, der Schriftsteller also, für Stipendien und Buchzuschüsse, mitunter auch für die gezielte Promotion eines Werks oder für den Druck. Der nachgelagerte Literaturbetrieb ist heute gut dotiert und ausdifferenziert genug, dass ihm ein neuer Dürrenmatt nicht entwischen wird – und dass er ihn gewinnbringend zu vermarkten vermag. (Dürrenmatt bei der Verleihung des Gottlieb-Duttweiler-Preises, 22. November 1990)
Keystone
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Der Thinktank besteht aus 15 Autoren und Verbandsvertretern. Er nutzte die Bühne der Solothurner Literaturtage, um erstmals öffentlich in Erscheinung zu treten und einen ambitionierten 14-Punkte-Plan zu präsentieren, mit dem die Bücherszene belebt werden soll. Die kommentierten Vorschläge finden Sie in der Bildstrecke.

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