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Neuer Roman von Carlos Ruiz Zafón: Intrigen, Verbrechen, Überraschungen

Zwischen Krimi, historischer Milieustudie und ausschweifendem Abenteuerroman: Mit «Das Spiel des Engels» knüpft der katalanische Autor Carlos Ruiz Zafón an seinen letzten Erfolgsroman an.

«Der Schatten des Windes», sein 2003 in deutscher Übersetzung erschienener Roman, ist ein Weltbestseller und wurde in über 30 Sprachen übersetzt. Mit seinem neuen Roman bewegt sich Carlos Ruiz Zafón auf ähnlichem Kurs. Seit dem Frühjahr sind 1,2 Millionen Exemplare in der spanischsprachigen Welt verkauft worden. «Das Spiel des Engels» bietet eine bunte Mischung aus Abenteuerroman, Krimi, historischer Milieustudie und reichlich Anleihen aus der Literaturgeschichte. Lizenzen für diesen Roman sind bereits in mehr als 50 Länder verkauft worden. Und der S. Fischer Verlag soll Ruiz Zafón einen Millionenvorschuss für die deutsche Ausgabe gezahlt haben.

Düsteres Milieu

«Es ist keine Fortsetzung von ‹Der Schatten des Windes›», betonte der 44-jährige katalanische Autor Carlos Ruiz Zafón im Frühjahr bei der glamourösen Vorstellung seines neuen Romans im Liceu-Theater in Barcelona. Das war allerdings nur die halbe Wahrheit. Viele Figuren aus dem Vorgängerwerk sind wieder präsent; wir bewegen uns in einem ähnlich-düsteren Milieu Barcelonas (für ihn ist seine Heimatstadt ebenso wichtig wie Istanbul für Orhan Pamuk). Und auch der «Friedhof der vergessenen Bücher», jene geheimnisvoll-labyrinthische Bibliothek, taucht wieder auf. Die Handlung setzt im Jahr 1917 ein, als der junge, hochtalentierte David Martín für eine kleine Lokalzeitung in Barcelona kurze Detektivgeschichten verfasst und den Traum hegt, dass ihm einmal die «Literatur ein Dach über dem Kopf» ist. Zwischen Fabrikgebäuden und einem Friedhof ist die schäbige Redaktion angesiedelt, in der David seinen ersten Mentor findet – Pedro Vidal, einen angesehenen, charismatischen Kolumnisten und Krimischriftsteller aus grossbürgerlicher Familie. Er setzt David gegen den anfänglichen Widerstand des patriarchalischen Redaktionsleiters Don Basilio durch.

Hier gelingen Ruiz Zafón (was bei ihm nicht häufig vorkommt) bei der Beschreibung von Basilios Marotten aussergewöhnlich humorvolle Passagen. Basilio hasst den «verschwenderischen Gebrauch von Adjektiven und Adverbien». Stösst er auf prosaische Manuskripte, werden die Journalisten zum Verfassen von Todesanzeigen abkommandiert. Wenn er lektoriert, ist es für ihn, als amputiere er die Texte.

Um Bücher, Textarbeit und das Streben nach vollkommener Erfüllung in der Literatur dreht sich (als thematischer Überbau) Ruiz Zafóns gesamter Roman. Der junge Martín bekommt von Vidal eines Tages einen mysteriösen Brief, der mit einem Engelsiegel verschlossen ist und sein Leben abrupt verändert. Er erhält ein verlockendes Angebot von einem Verleger aus Paris. Jener faustisch gezeichnete Corelli will, dass David ein Jahr für ihn arbeitet und das «Buch der Bücher» schreibt – eine Art «literarische Bibel», ein Universalwerk über Erkenntnisse, Moral und Gefühle.

Kühne Erzählreise

Intrigen, Überraschungen, zeitraubende Lesemarathons, Dreiecksbeziehungen und Verbrechen sind Davids Wegbegleiter. Ruiz Zafóns abenteuerlich inszenierte Erzählreise erinnert gleichermassen an den magischen Realismus eines Jorge Luis Borges und dessen «biblioteca fantástica» wie an die dunklen Romane Edgar Allan Poes.

Der Protagonist David sammelt im Laufe der Handlung seine Lebenserfahrungen stets parallel auf zwei Ebenen – in der aufregenden Alltagsrealität Barcelonas (auf David wird sogar geschossen!) und in der Welt der Bücher. Diese beiden Wahrnehmungsebenen lässt Ruiz Zafón absichtsvoll verschwimmen und stürzt seine Hauptfigur damit peu à peu in einen Zustand der Orientierungslosigkeit.

«Das Spiel des Engels» bietet ein anspielungsreiches, schwungvoll (bisweilen etwas ausschweifend) erzähltes Handlungslabyrinth – man grübelt, man schaudert, man schmunzelt, es schmerzt. Ein Buch, das zum langen Nachdenken herausfordert.

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