Zum Hauptinhalt springen

Mit Lockenspray zum Interview

Die vielen Jobs eines Autors: Ein Gang mit dem Schweizer Rolf Lappert über die Frankfurter Buchmesse.

Den Deutschen Buchpreis hat Rolf Lappert nicht gewonnen, und so bleibt es ihm erspart, wie der arme Uwe Tellkamp im Halbstundentakt übers Messegelände gezerrt zu werden, immer mit den gleichen Fragen konfrontiert, ob auf dem blauen, dem grünen oder dem roten Sofa. Das, auf dem Rolf Lappert jetzt sitzt, ist weiss und aus Leder, und die Fragen kommen von Andrea Meier, der Zürcher Moderatorin des Kultursenders 3sat. Mit professionellem Charme macht sie das, und sie lässt den Autor ausreden, als er die langen Handlungsbögen seines Romans «Nach Hause schwimmen» nachzieht.

Rolf Lappert ist ganz offensichtlich kein Autorendarsteller, keiner, der die vorbereiteten Antworten so vorbringt, als seien sie ihm gerade eingefallen. Er fremdelt auf dieser Messe. Der Rummel ist ihm nicht gerade zuwider, das nicht, gehören Auftritte und Selbstvermarktung doch, wie er weiss, «zum Job». Aber richtig wohl fühlt er sich nicht dabei, sich ins Scheinwerferlicht zu halten. «Lockenspray!», hat er geschnaubt, als er aus der Maske kam, und den Schweiss hatte man ihm auch wegwischen und -pudern müssen.

Wenn er überhaupt einen Typus verkörpern müsste, dann den des irischen Naturburschen, mit scharf geschnittenem Profil und Augen, die immer in die Ferne zu schweifen scheinen. Seinen grossen Händen sieht man an, dass sie anpacken können und schon oft angepackt haben. In Irland, wo er sich immer noch am häufigsten aufhält, baut er gerade mit einem Freund zwei Cottages auf, was wegen des Dauerregens während der letzten Monate viel langsamer geht als geplant. Dort wissen seine Hände besser, was zu tun ist; hier kann er sie nur unproduktiv wringen, wenn er zum wiederholten Mal erklären soll, was ihn nach Irland brachte und wie er auf den Stoff seines jüngsten, hochgelobten Romans gekommen sei. Ein Bild sei zuerst dagewesen, sagt er dann, ein junger Mann, der von einem Steg ins Wasser fällt.

Horror ist ein Fototermin

«Ich wollte grosse Gefühle darstellen», erklärt er Andrea Meier, eine Formulierung, die auf diesem Sofa nicht oft fallen wird. Lappert bleibt freundlich, aber distanziert, er nimmt sich Zeit für seine Antworten, will jedem Gesprächspartner gerecht werden. Auch dem Kollegen Manfred Papst von der «NZZ am Sonntag», mit dem er am Hanser-Stand verabredet ist und der nach dem Buch fragt, aber natürlich auch nach Irland.

Der Hanser-Stand ist so etwas wie der Hafen für das Autorschiffchen: Dort gibts Getränke und freundliche Betreuerinnen, dort nennt Pressechefin Christina Knecht die neusten Verkaufszahlen (40'000!), und dort berichtet Annette Pohnert über Lesungs-Anfragen. Drei Termine in der Schweiz hat Lappert absagen müssen wegen der Messe, sie werden im November nachgeholt. Rund zwanzig Auftritte sind es noch bis Anfang Dezember, dann fliegt er für drei Monate nach Südafrika, um an seinem neuen Roman zu arbeiten.

Aber jetzt steht erst einmal ein kleiner Horror an: der Fototermin! Wir müssen hinaus aufs Raucherdeck, weil dort das Licht besser ist, und hier, zwischen Rauchschwaden und Taubendreck, soll Lappert sinnieren, lächeln, bedeutend schauen und strahlen. «Ich kann nicht auf Kommando strahlen», murrt er. Nach etwa 200 Aufnahmen gelingt es Lappert dann doch, richtig dichterisch auszusehen. «Eins davon wird ja wohl etwas geworden sein», grinst er. Und dann hat er frei. Am Kaffeestand läuft uns Uwe Tellkamp über den Weg, ziemlich genervt schon am ersten Messetag. So ein Buchpreis will erlitten sein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch