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Klage gegen Pro Helvetia

Peter Haag, Chef des Zürcher Verlags Kein & Aber, lehnt sich gegen die Vergabe-Politik der Pro Helvetia auf. Die Stiftung verstosse gegen die sich selbst auferlegten Richtlinien.

Er gilt als ebenso unkonventioneller wie beherzter Verleger. Doch nun poltert Peter Haag auch ausserhalb des literarischen Parketts drauflos und schlittert mit einer harschen Kritik an der nationalen Förderinstitution Pro Helvetia auf die Bretter der kulturpolitischen Bühne.

Der Angriff ist frontal: «Der Kein & Aber Verlag in Zürich erwägt, Beschwerde gegen die jüngste Vergabe der Verlagsprämien 2008 durch die Pro Helvetia einzureichen. Die aktuelle Vergabe verstösst nach Meinung des Verlages gegen die Bedingungen und Richtlinien, die in der Ausschreibung durch die Pro Helvetia publiziert wurden».

Bedingungen nicht erfüllt

Der Streit dreht sich um zwei jährlich vergebenen Verlagsprämien im Gesamtwert von 100 000 Franken, bestehend aus einem Hauptpreis à 75'000 Franken und einem Förderpreis von 25'000. Damit sollen unabhängige und literarisch ambitionierte Verlage mit Standort Schweiz gefördert werden, so die Regeln, welche die Stiftung sich vor zwei Jahren auferlegte.

Das genau ist der Streitpunkt. Denn heuer wird just der Verlag «Nagel&Kimche» ausgezeichnet, der zwar eine Schweizer Geschäftstelle hat, aber der deutschen Hanser-Gruppe gehört. Der Gewinner des Förderpreises, der Bilgerverlag, wurde 2002 schon einmal mit einem Betrag von 50'000 Franken von der Pro Helvetia berücksichtigt.

Das geht nicht, findet Peter Haag: «Ich fühle mich verschaukelt. Wozu soll man den Aufwand betreiben, wenn dann doch entgegen der Teilnahmebedingungen entschieden wird? Ich habe die Sache schon mit unserem Anwalt besprochen und werde auf jeden Fall klagen.»

Vorwürfe zurückgewiesen

Pro Helvetia weist die Vorwürfe zurück: «Wir verstehen die Enttäuschung, aber wir sehen uns im Recht. «Nagel&Kimche» hat seine Geschäftsstelle nach wie vor in Zürich und dort werden auch die inhaltlichen Entscheide gefällt, insofern ist die Unabhängigkeit gewährleistet. Wir haben «Nagel&Kimche» aufgrund seines literarischen Programms belohnt.» so Angelika Salvisberg, Leiterin der Abteilung Literatur und Gesellschaft.

Dass «Nagel&Kimche» nicht unabhängig sei bestreitet Salvisberg. «Die inhaltlichen Entscheide werden in Zürich getroffen. Und als Tocher der Hanser-Gruppe hat der Verlag hervorragende Vertriebsmöglichkeiten.» Auch dass der Bilgerverlag bevorzugt werde weist sie zurück. «Der Wettbewerb wird erst seit zwei Jahren nach den Richtlinien durchgeführt, was vorher war, muss als Vorgängermodell betrachtet werden.» Tatsächlich war es vorher üblich, Verlage mehrere Jahre hintereinander mit unterschiedlichen Beiträgen zu unterstützen. Die Prämierung wurde von einer fünfköpfigen, unabhängigen Jury vorgenommen.

Ob die Stiftung den eigenen Richtlinien Genüge getan hat, dürfte also vor Gericht entschieden werden. So oder so kämpft Haag aber gegen einen schwer fassbaren Gegner. Denn heute kündigte Pro Helvetia gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz schon wieder eine Änderung bei der Vergabepolitik an. «Wir haben erneut evaluiert und werden wir ein neues Modell ausprobieren. Ab nächstem Jahr werden wir Leistungsaufträge vergeben.» sagte Salvisberg heute morgen. Falls Peter Haag mit seiner Klage durchkommen sollte, wird Pro Helvetia die Spielregeln so oder so schon wieder geändert haben.

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