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«Ich muss mein Äusseres pflegen, damit Kritiker was zu schreiben haben»

Der britische Nobelpreisträger V. S. Naipaul behauptet, Frauen könnten nicht schreiben. Autorin Sibylle Berg hält dagegen.

Frauen können nicht schreiben: Was würden Sie ihm entgegnen, wenn Naipaul das zu Ihnen sagt? «Ja, Herr Dings, Sie haben durchaus recht», würde ich sagen und mit einem freundlichen Lächeln abgehen. Es kann nicht meine Aufgabe sein, Sexisten, Rassisten oder andere Geisteskranke zu kurieren. Es würde auch nichts ändern. Ich bin ja nur eine Frau, nicht wahr. Vielleicht hatte der Mann eine schlechte Kindheit, oder mit der Sexualität funktioniert etwas nicht. Das ist bedauerlich für ihn, doch der Welt ist es egal. Es gab einen ähnlichen Fall vor Jahren, ein deutscher Autor, Herr Buch, den Namen kann man sich merken, jammerte in ähnlich alberner Art gegen die Konkurrenz an, die ihm seiner Meinung nach plötzlich von den Frauen drohte. Da war der Fall auch klar: Ein frustrierter, schlechter Autor fühlt sich verkannt und schimpft gegen die, denen vermeintlich alles besser gelingt.

Finden Sie, gibt es einen Unterschied in männlicher und weiblicher Schreibe? Es gibt gute Autoren und schlechte. Das ist eigentlich der wesentliche Unterschied. Das Geschlecht ist komplett egal, und dass Frauen früher immense Schwierigkeiten hatten, als Künstlerinnen zu arbeiten, dass ihnen der Weg zu Bildung und Öffentlichkeit sehr schwer gemacht wurde, ist ja nichts Neues. Dass sie darum weniger in der Klassik vertreten sind, der berühmte weibliche Shakespeare, den es nicht gibt, ist eine alte Geschichte. Sehr viele Autoren, die ich kenne, sind eitler als die weiblichen Kollegen. Schneller zufrieden. Oder, siehe Herr Buch und Herr Dings, schneller frustriert, wenn nicht Alleen nach ihnen benannt wurden.

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