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Hunkeler geht in Pension

Der neue Krimi um den kauzigen Basler Ermittler lebt ganz von der Atmosphäre. Der Autor Hansjörg Schneider findet den richtigen Ton.

Sein Hunkeler macht keine Sachen mehr: Hansjörg Schneider.
Sein Hunkeler macht keine Sachen mehr: Hansjörg Schneider.
Lucian Hunziker

Kurt Wallander verschwindet in der Demenz, Peter Hunkeler geht in Pension: Kommissarsdämmerung in der Kriminalliteratur? Immerhin lässt Hansjörg Schneiders neue Folge seiner höchst erfolgreichen Serie um den Basler Ermittler (der eigentlich, wie der Autor, aus dem Aargau stammt und stolz darauf ist) Raum für Hoffnung auf mehr. Hunkeler führt seinen jüngsten Fall nämlich auch jenseits der Pensionsgrenze zur Aufklärung.

Nicht sehr aktiv, schon gar nicht aktionistisch: Er gehört zu den Komissaren, die ihren Fällen lieber zusehen, wie sie sich selbst aufklären. Und Hansjörg Schneider gehört zu den Krimiautoren, die an Figuren, Milieu und Atmosphäre viel mehr interessiert sind als an der Mechanik von Rätsel und Lösung.

Die Renitenz des Helden

Deshalb finden die Leser auch bei diesem Hunkeler-Band, was ihnen an den vorigen gefallen hat: eine stille Renitenz des Helden gegenüber den schneidigen Kollegen und Vorgesetzten; liebevolles Auspinseln des Dreiländerecks mit seiner eigentümlichen menschlichen Fauna; melancholische Sätze über das Leben schlechthin und ein paar Seitenhiebe auf Schweizer Verhältnisse. So betont Hunkeler, dass er in Basel auch nach 50 Jahren nicht heimisch geworden sei, wegen der hochnäsigen Bevölkerung dort, aber er könne «in keiner Stadt leben, die von lauter Schweiz umgeben ist»: also doch Basel.

Ansonsten durchzieht den Roman eine gepflegte Nostalgie; Hunkeler kann, da der Fall im Theatermilieu spielt, an die Zeit und Kenntnisse anknüpfen, da er jugendlicher Regieassistent am Basler Theater war (wie Schneider auch). Unter dem Personal befinden sich jede Menge Abgehalfterte, und Hunkeler empfindet sich ja selbst schon lang als Auslaufmodell. Auch das trägt zum melancholischen Grundton bei.

Zieht man ein paar saftige Klischees ab (der Lokalreporter vom Zürcher Boulevardblatt, der Basler Theaterkritiker), so ist diese neue Hunkeler-Folge eine angenehme Lektüre, die mit einem Abendessen bei Scholler in Knoeringue ein stilgerechtes Ende findet. Auch wenn er mit seiner Hedwig eine Bootsfahrt nach Paris plant, im Schritttempo: Hunkeler wird auch als Pensionierter am Rheinknie bestimmt wieder etwas zu ermitteln finden.

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