Zum Hauptinhalt springen

Frank Witzel erhält Deutschen Buchpreis - Schweizer gehen leer aus

Der Aussenseiter hat sich durchgesetzt: Der Autor Frank Witzel wird für sein 800-seitiges Werk über die Nachkriegszeit aus der Sicht eines 13-Jährigen ausgezeichnet.

«Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969»: Frank Witzel zeigt sein Werk. (12. Oktober 2015)
«Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969»: Frank Witzel zeigt sein Werk. (12. Oktober 2015)
Getty Images

Für seinen Roman über die alte Bundesrepublik hat Frank Witzel den Deutschen Buchpreis 2015 gewonnen. «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969» wurde am Montagabend in Frankfurt ausgezeichnet. Witzels Buch galt eher als Aussenseiter.

Der 60-jährige Autor schildert im Roman aus der Sicht eines 13-Jährigen, der im Wiesbadener Ortsteil Biebrich heranwächst, die muffige Nachkriegszeit und deren (pop-)kulturellen Umbruch. In dem 800-Seiten-Buch mit dem barocken Titel bedient sich Witzel - ohne chronologische Ordnung - unterschiedlichster literarischer Formen. Das Buch mit seinen zahlreichen Perspektivwechseln ist voll von Episoden, informativen Einschüben und philosophischen Abschweifungen.

«Frank Witzels Werk ist ein im besten Sinne massloses Romankonstrukt», begründete die Jury den Preis. In seiner Mischung aus «Wahn und Witz, formalem Wagemut und zeitgeschichtlicher Panoramatik» sei der Roman einzigartig in der deutschsprachigen Literatur. «Mit dem Deutschen Buchpreis wird ein genialisches Sprachkunstwerk ausgezeichnet, das ein grosser Steinbruch ist, ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia.»

Zwei von sechs Finalisten aus der Schweiz

In der Endausscheidung setzte Witzel sich gegen Monique Schwitter («Eins im Andern») und Rolf Lappert («Über den Winter») durch, beide aus der Schweiz, sowie gegen seine Landsleute Jenny Erpenbeck («Gehen, ging, gegangen»), Inger-Maria Mahlke («Wie Ihr wollt») und Ulrich Peltzer («Das bessere Leben»).

Der in Offenbach/Main lebende diesjährige Buchpreis-Gewinner, ist auch als Musiker und Illustrator hervorgetreten. Mit 22 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband. 2001 erschien sein Roman «Bluemoon Baby», zwei Jahre später «Revolution und Heimarbeit». Die Geschichte der Bundesrepublik dient Witzel als Spielwiese für oft groteske Einfälle und literarische Verschwörungstheorien.

Der Deutsche Buchpreis, 2005 erstmals vergeben, gilt als wichtigste Auszeichnung der deutschsprachigen Branche. 2010 holte Melinda Nadji Abonji den Deutschen Buchpreis mit «Tauben fliegen auf» in die Schweiz. Für Rolf Lappert war es heuer schon seine zweite Teilnahme am Final nach 2008.

SDA/woz

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch