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Ein Streifzug durch Hollywoods Neurosen

«Army of Phantoms» von US-Filmkritiker J. Hoberman ist eine Rückblende in die Zeit des Kalten Kriegs.

Ein Buch von J. Hoberman ist wie ein rollender Schneeball, der stetig an Masse zunimmt. Der Filmkritiker der «Village Voice» in New York gabelt auf, was vor ihm liegt, verdichtet es immer weiter und schlägt eine Schneise der Erkenntnis. Auf einer einzigen Buchseite versammelt er zum Beispiel Marlon Brando, Rita Hayworth, den römischen Kaiser Caligula und ein grosses Halleluja. Das übrigens ist die Seite 250, wo Caligula gerade einen Senatsausschuss für unrömische Umtriebe ins Leben ruft, um Christen dranzukriegen. Jedenfalls: Er sollte es tun, im Kostümfilm «The Robe» von 1953. Die reale Vorlage dazu lieferte die Kommunistenhatz von Senator Joseph McCarthy, doch der Erzählstrang schaffte es nicht in den Film. Hoberman lässt solche Einsichten wie bengalische Lichter aufflackern, die erhellen, wie Politik und Popkultur aufeinander einwirken.

Laut dem Filmkritiker David Thomson liegt die tiefste Quelle der Macht in den USA darin, eine individuelle Fantasie in Millionen Hirne zu brennen. Für J. Hoberman ist ein Film genau das: eine hergestellte Fantasie, die sich in kollektive Erfahrung verwandelt. Im Lauf der Zeit ziehen sich Filme zu einem Bewusstseinsstrom zusammen, der sich in die gemeinsame Erzählung eines Landes hineinflüstert. Vage schleicht sich das gesellschaftliche Klima einer Epoche ins Kino, dessen halb bewusste Bedeutungen sich wiederum in der Wirklichkeit festsetzen.

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