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Ehekrach an der Käsetheke

Yasmina Rezas Roman «Glücklich die Glücklichen» ist eine menschliche Komödie im Miniaturformat.

Von Martin Halter

Männerfreunde unter sich. Keine Frau in Sicht, die ihre raue Herzlichkeit stören könnte. Als Lionel mit bekümmerter Miene von seinem Sohn erzählt, der wegen seines Wahns, Céline Dion zu sein, in der Psychiatrie sitzt, prusten seine Kumpel unwillkürlich los. Niemand will sich über den armen Jungen oder gar über den verzweifelten Vater lustig machen, aber die Vorstellung ist einfach zu komisch, und schliesslich muss auch Lionel lächeln: «Ich weiss, ich weiss . . .»

In Yasmina Rezas neuem Roman wird viel gelacht, doch liegt nichts Höhnisches darin. Jacob, der Dion-Doppelgänger, macht mit seiner unschuldigen fixen Idee nicht nur sich selbst, sondern auch Eltern, Mitpatienten, Pfleger und Ärzte glücklich. «Glücklichsein ist Veranlagungssache», so Lionel, eine Frage von Stimmung, Zeit, Ort, kurz: fast unmöglich. Das von Jorge Luis Borges entlehnte Motto kommt vom Paradox zur Tautologie: «Glücklich die Geliebten und die Liebenden und die auf die Liebe verzichten können. Glücklich die Glücklichen.»

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