Die Shortlist des Schweizer Buchpreises

Die fünf Nominierten für den Schweizer Buchpreis 2018 sind bekannt: Heinz Helle, Gianna Molinari, Peter Stamm, Vincenzo Todisco und Julia von Lucadou.

Die öffentliche Preisverleihung findet im Rahmen des Literaturfestivals Buch Basel im Theater Basel statt.

Die öffentliche Preisverleihung findet im Rahmen des Literaturfestivals Buch Basel im Theater Basel statt.

(Bild: Mischa Christen)

Martin Ebel@tagesanzeiger

Das Schweizerische Literaturinstitut in Biel kann jubeln: Drei der fünf für den Schweizer Buchpreis Nominierten haben dort das Handwerk des Schreibens gelernt. Gianna Molinari, ausgewählt für ihren Roman «Hier ist noch alles möglich» (erschienen im Aufbau-Verlag), studierte dort 2009–2012, ebenso ihr Kollege Heinz Helle («Die Überwindung der Schwerkraft», Suhrkamp). Julia von Lucadou («Die Hochhausspringerin») war von 2014–2017 Studentin in Biel. Nur Vincenzo Todisco («Das Eidechsenkind», Rotpunktverlag) und Peter Stamm («Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt», S. Fischer) sind keine Absolventen der Autorenschmiede.

«Literaturinstitutsliteratur» ist es allerdings nicht, was die fünf Juroren des Schweizer Buchpreises (Manfred Papst als Sprecher, dazu Sabine Graf, Christine Richard, Ursula Stamm und Susanne Sturzenegger) ausgesucht haben; dazu sind die Finalisten zu verschieden. Giulia Molinaris Roman bewegt sich in einem äusserst reduzierten Erzählraum, einer Kartonfabrik vor der Schliessung. Heinz Helle, promovierter Philosoph, gelangt über Kneipengespräche zu den grossen Fragen des Lebens. Julia von Lucadou führt in eine finstere, lückenlos überwachte Zukunft, beherrscht vom Zwang zur Selbstoptimierung.

Vincenzo Todisco hat bisher auf Italienisch geschrieben; sein erster Roman auf Deutsch erzählt von einem Gastarbeiterkind, das sich verstecken muss. Peter Stamm, in der Medienmitteilung als «Routinier» apostrophiert, hat beim Schweizer Buchpreis oft Pech gehabt; vielleicht ergeht es ihm diesmal besser – verdient hätte er es. Immerhin ist dies die wichtigste literarische Auszeichnung der Schweiz (auch wenn sie auf deutschsprachige Titel beschränkt ist); der Sieger wird am 11. November im Rahmen der Buch Basel bekannt gegeben und erhält 30'000 Franken, die übrigen Finalisten je 3000.

Ist die Liste in Ordnung? Schwer zu beurteilen, wenn man (noch) nicht alle nominierten Bücher kennt. Bedauerlich immerhin, dass die Jury – zugunsten der Instituts-Absolventen?, der Jugend?, der Originalität? – Christina Viraghs Roman «Eine dieser Nächte» übergangen hat. Und dann die grosse Lücke dieser Liste: Thomas Hürlimanns «Heimkehr». Zu gross für den Preis?

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