Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf die neueste Version, oder wechseln Sie auf einen anderen Browser wie ChromeSafariFirefox oder Edge um Sicherheitslücken zu vermeiden und eine bestmögliche Performance zu gewährleisten.

Zum Hauptinhalt springen
Werbung
Weiter nach der Werbung

Die Schweizer Literatur im Knast

Verbrechen und Strafe: Fast nichts anderes scheint Schriftsteller so zu faszinieren wie die Taten und der Gefängnisalltag von Kriminellen. Inspiriert vom Knast wurde auch die Krimi-Autorin Patricia Highsmith, die von 1981 bis zu ihrem Tod im Jahre 1995 im Tessin lebte und deren Nachlass deshalb in Bern liegt. Die Amerikanerin, die hier für ein fiktives Polizeifoto posiert, buchtet im Roman «Die gläserne Zelle» (1964) einen Intellektuellen in ein Horrorgefängnis ein, wo der schuldlos Verurteilte zu einem asozialen Totschläger wird. Eine «Herausforderung an meine Fantasie» nannte Highsmith ihr romanhaftes Lehrstück, das von einem Fan-Brief eines Gefängnisinsassen inspiriert wurde – und die Fragwürdigkeit des Strafvollzugs anprangern soll.
Fanpost aus dem Gefängnis erhielt auch der «sehr geehrte, liebe Herr Dürrenmatt», der in den 1950er-Jahren mit «Der Richter und sein Henker» berühmt wurde. Während der frühe Dürrenmatt mit seinem Kommissar Bärlach ein spöttisches Spiel um Fragen der Gerechtigkeit betreibt, findet man bei seinem gealterten Ego eine Idealisierung des Gefängnisalltags – zumindest in den Reden seiner Figuren: «Ich bin einfach ein Mensch, der draufgekommen ist, dass man zum Leben nichts weiter als eine Zelle braucht», heisst es in Dürrenmatts «Justiz»-Roman von 1985. Wenige Tage vor seinem Tod im Dezember 1990 prägte Dürrenmatt das Bild von der «Schweiz als Gefängnis» – anlässlich der Verleihung des Gottlieb-Duttweiler-Preises an den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Vaclav Havel.
In den unmittelbaren Nachkriegsjahren engagierte sich die Autorin Cécile Lauber (1887–1981) bei der Gefängnisfürsorge. Als Vorstandsmitglied des Schweizerischen Schriftstellervereins sah es Lauber als ihre Aufgabe, die dürftigen Gefängnisbibliotheken mit Büchern auszustatten, «die vor allem den primitiven Leser zu orientieren vermögen, ohne zu grosse Geistesanstrengungen von ihm zu verlangen.» Die hier gezeigte Statistik belegt, dass vor allem Belletristik und Literatur zu fremden Ländern bei den «primitiven Lesern» Anklang fanden – wahrscheinlich einfach deshalb, weil solche Bücher idealer Stoff für Kopfreisen in den engen Zellen sind. Und genau darum geht es in der neuen Ausgabe der Zeitschrift «Quarto», der die hier gezeigten Abbildungen entnommen sind: Um das Gefängnis als Ort der literarischen Fantasie, des Schreibens und des Lesens.
1 / 9
Weiter nach der Werbung
Weiter nach der Werbung

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.