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Der Glanz des Überdemokraten

Eine Berliner Ausstellung zeigt bis dato unbekannte Bilder des Fotografen Mark Shaw von John und Jackie Kennedy. Shaw inszenierte den Mythos im bestmöglichen Licht.

Bis heute ist John F. Kennedy der Überdemokrat, nur in seinen allerbesten Tagen wurde Barack Obama mit ihm verglichen. Dies, weil Kennedy drei Kardinalqualitäten des modernen Medienpolitikers auf sich vereinigte: Er sah aus wie ein Schauspieler, er hatte die Souveränität der Upperclass und er galt als empathischer Verteidiger des Wohlfahrtsstaats. Dank seiner Frau Jackie konnte sich Kennedy auch als liebender Gatte und als Familienvater in Szene setzen lassen. Kurz: Kennedy wurde zum Mythos – spätestens nach seiner Ermordung am 22. November 1963.

Der amerikanische Fotograf Mark Shaw (1921–1969) inszenierte diesen Mythos konsequent wie wohl kein anderer. Shaw hatte anfänglich als Modefotograf gearbeitet, unter anderem mit Audrey Hepburn und Yves Saint Laurent, und war schon vor Kennedys Wahl zum 35. Präsidenten der USA mit Jackie bekannt gewesen. Als die Kennedys ins Weisse Haus einzogen, avancierte der New Yorker zum Hoffotografen. Er zeigte den mächtigsten Mann der Welt, wie man ihn noch nie gesehen hatte: relaxt und plaudernd, im Spiel mit seinen Kindern, bei der Lektüre. Shaws Fotoband «The John F. Kennedys: A Family Album» wurde zum Bestseller, die Bevölkerung gierte nach neuen Bildern von ihrem coolen Präsidenten. Shaw suggerierte, dass sich diese Lockerheit auch aufs politische Tagesgeschäft übertrug; selbst während einer Rede wirkt John auf einer Shaw-Fotografie entspannt, während Jackie ihm im eigentlichen Sinn zur Seite steht. Auf einem andern Bild zeigt Shaw die First Lady allein, elegant, in Weiss, die Kamera souverän fixierend, im Hintergrund symbolisiert das wuchtige Washington Monument Teilhabe an der Macht. Hier präsentiert sich eine Frau, die durchaus auf eigenen Füssen stehen und Einfluss nehmen kann. Den Kennedys gelang dank Shaw eine überzeugende, aber eigentlich paradoxe Aussendarstellung; sie verkörperten sowohl das konservative Familienidyll als auch progressive Individualität.

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